Franz Schmidt

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Franz Schmidt (* um 1555 in Hof, bestattet 14. Juni 1634 in Nürnberg) gilt als Nürnbergs berühmtester Scharfrichter, damals auch „Nachrichter“ genannt.

Franz Schmidt bei einer Hinrichtung

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

In seiner fast 40jährigen Amtszeit bei der Reichsstadt Nürnberg, die im Jahr 1578 begann, listete er in seinem akribisch geführten Diensttagebuch 361 Exekutionen und 345 Leibstrafen auf. Das Tagebuch ist in Abschriften und Drucken überliefert.

Schmidt beherrschte sein Handwerk perfekt und wurde deshalb schnell als „Meister Franz“ bekannt. Sein Talent hatte er offenbar vom Vater geerbt, der Scharfrichter in Bamberg war. Schon seine erste Enthauptung schaffte Franz Schmidt mit einem einzigen Schwerthieb. Als Vollstrecker von Leibstrafen schnitt Meister Franz den Delinquenten die Zunge ab, peitschte sie aus oder hackte ihnen Gliedmaßen ab. Die zum Tode Verurteilten köpfte er mit dem Schwert, knüpfte er an den Galgen, ertränkte er in der Pegnitz, verbrannte er auf dem Scheiterhaufen oder räderte er.

Außerdem fielen Ehrenstrafen in seinen Zuständigkeitsbereich. Diese Rechtsbrecher stellte Schmidt an den Pranger, legte sie in Ketten oder setzte ihnen die Schandmaske auf. Als Henker war Schmidt auch Chef der Folter.

Schmidt genoss trotz seines Berufs hohes Ansehen in der Stadt. Er setzte in mancher Hinsicht weniger grausame Hinrichtungen durch. So wurden beispielsweise Kindsmörderinnen nicht mehr ertränkt, sondern enthauptet.

Nachdem Schmidt im Jahr 1617 in den Ruhestand getreten war, machte er eine Wundarztpraxis in der Oberen Wörthstraße auf. Dazu brachte er beste Voraussetzungen mit, hatte er doch in seiner langen Amtszeit als Nachrichter genügend Gelegenheit gehabt, den menschlichen Körper zu studieren. Meister Schmidt starb im Jahr 1634. Er wurde auf dem Rochusfriedhof begraben.

Über Franz Schmidt kann man sich in der Ausstellung über das reichsstädtische Rechtswesen im Henkerhaus informieren. In dem kleinen Haus über der Pegnitz, zwischen Trödelmarkt und Weinstadel gelegen, hatte Schmidt einst seine Dienstwohnung. Und nicht nur er: Alle seine Scharfrichter-Kollegen in der Zeit von 1400 bis 1800 brachte die Stadt in diesen Räumen unter.

Literatur

  • Albrecht Keller (Hrsg.): Maister Franntzn Schmidts Nachrichters inn Nürmberg all sein Richten. Nach der Handschrift hrsg. und eingeleitet von Albrecht Keller. Leipzig: Heims, 1913, XVI, 119 S.
  • Wolfgang Oppelt: Über die Unehrlichkeit des Scharfrichters. Unter bevorzugter Verwendung von Ansbacher Quellen. Zugleich: Universität Würzburg, Philos. Fachbereich II - Neuphilologien, Geschichte, Kunstgeschichte, Dissertation, 1976. Lengfeld: Gottschalk, 1976, XIV, 931 S. (Lengfelder Libellen; Band 1)
  • Albrecht Keller (Hrsg.): Maister Franntzn Schmidts Nachrichters inn Nürmberg all sein Richten [Scharfrichter-Aufzeichnungen]. Neudruck der Ausgabe 1913 mit einer Einleitung von Wolfgang Leiser. Neustadt an der Aisch: Schmidt, 1979, XXI, 119 S., ISBN 3-87707-022-1
  • Das Tagebuch des Meister Franz, Scharfrichter zu Nürnberg. Nachdruck der Buchausgabe von 1801. Kommentar von Jürgen Carl Jacobs und Heinz Rölleke. Dortmund: Harenberg, 1980, 240 S., ISBN 3-88379-160-1 (Die bibliophilen Taschenbücher; 160) Einheitssachtitel: Meister Frantzen Nachrichter allhier in Nürnberg all sein Richten am Leben sowohl seine Leibesstrafen, so er verricht (In Fraktur)
  • Jutta Nowosadtko: Scharfrichter und Abdecker. Der Alltag zweier „unehrlicher Berufe“ in der Frühen Neuzeit. Zugleich: Universität Essen, Dissertation, 1993. Paderborn; München; Wien; Zürich: Schöningh, 1994, 412 S., ISBN 3-506-76115-3

Artikel in der NZ

  • Clemens Helldörfer: Vom Schreckensmann zum ehrbaren Bürger. Ausstellung erinnert an Nürnbergs berühmtesten Henker. In: Nürnberger Zeitung Nr. 190 vom 19. August 2009, Nürnberg plus, S. + 1 - NZ

Siehe auch

Weblinks

  • Franz Schmidt (Henker) - Wikipedia
  • Henkerhaus Nürnberg - im Netz
  • Stadtrundgang: Mörder, Fälscher, Messerstecher - im Netz

Artikel in der NZ

  • Clemens Helldörfer: Vom Schreckensmann zum ehrbaren Bürger, Ausstellung erinnert an Nürnbergs berühmtesten Henker NZ vom 19.8.2009
  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

Hinrichtungen ohne Fehl und Tadel

Von Clemens Helldörfer

Wenn Meister Franz heute noch leben würde und in der Zeitung von der Hinrichtung eines Todeskandidaten in Florida lesen würde, die wegen einer falschen Giftmischung sage und schreibe 34 Minuten gedauert hat, dann würde er sicherlich den Kopf schütteln angesichts solcher Schlamperei. Denn der Nürnberger Scharfrichter, der sein blutiges Amt zwischen 1578 und 1617 ausübte, war für seine fehlerfrei ausgeübten Hinrichtungen bekannt. Über 360 Menschen beförderte er ins Jenseits, wobei statt einer Giftmixtur der Galgen, das Rad und vor allem das Schwert zum Einsatz kamen.
Die Gründe dafür, dass Meister Franz bis heute noch bekannt ist und nun sogar eine Ausstellung über sein Leben gestaltet wird, liegen aber nicht in seinem handwerklichen Geschick, sondern in seinem einzigartigen Tagebuch: Ebenso sorgfältig wie leidenschaftslos legt er darin Rechenschaft über die Früchte seiner Arbeit ab. Nicht nur die von ihm exekutierten Strafen sind allesamt aufgeführt, sondern auch eine Kurzfassung der „Verbrecherlaufbahn“ seiner Delinquenten – Wilddiebe, Räuber, Totschläger, Kindsmörderinnen und Betrüger.

„Aus Gnaden
mit dem Schwert gerichtet“

Da wird etwa berichtet von einem Balthasar Preiß, eines „Burgers Kind und ein Dieb“, der schon elf Mal „im Loch gelegen“ und dennoch „das Stelen nit wollen lassen“. Immerhin wurde er schließlich „aus Gnaden“ mit dem Schwert gerichtet. Diese Hinrichtungsart galt damals als die am wenigsten grausame, und Meister Franz setzte sich in einem Fall sogar dafür ein, eine Kindsmöderin „nur“ zu köpfen statt sie qualvoll in der Pegnitz zu ertränken.
„Bemerkenswert in den Aufzeichnungen von Meister Franz ist auch, dass er genau zwischen Todes- und Leibstrafen unterscheidet“, berichtet Martin Schieber von „Geschichte für Alle“. Ein ungewöhnlicher Feinsinn vom Vertreter eines Gewerbes, das damals als höchst unehrenhaft galt und meistens auch nur von gewalttätigen und völlig verrohten Gesellen ausgeübt wurde. Meister Franz war hingegen schon während seiner Amtszeit auch als Wundarzt gefragt. Nach seiner „Pensionierung“ galt er wieder als ehrenhafter Bürger und verdiente sich mit seinen medizinischen Fähigkeiten noch ein Zubrot.
„Durch die Hinrichtungen und Folterungen, mit denen er auch betraut war, konnte er sich gute anatomische Kenntnisse aneignen“, weiß der Historiker. Folgt man der Chronik des Henkers, scheint er sein Amt ebenso präzise wie emotionslos ausgeübt zu haben. Angesichts von Strafen wie Ohren abschneiden, Malträtieren mit glühenden Eisen oder Aufs-Rad-Flechten ist dies nach heutigen Moralvorstellungen nur schwer vorstellbar.
Die Einzigartigkeit des Nürnberger Henker-Tagebuches sorgte schon vor unserer Zeit für Aufsehen: Bereits 1801 werden die Aufzeichnungen von Meister Franz nachgedruckt, und knapp zehn Jahre später berichtet der Schriftsteller Achim von Arnim in einem Brief an die Brüder Grimm von den „bekannten Annalen eines Nürnberger Schinders“. Damit übertrieb er keineswegs: Eine ganze Reihe von literarischen Scharfrichter-Figuren orientieren sich eindeutig an ihrem echten Nürnberger Vorbild.
Grund genug, dem wahren Meister ein eigenes kleines Museum zu widmen. Vorangetrieben wurde dieses Projekt vor allem vom Nürnberger Stadtrechtsdirektor Hartmut Frommer. Begünstigt wurden die Pläne durch den Umstand, dass die ehemaligen Wohnräume der Nürnberger Henker in der Nähe des Henkerstegs nach dem Auszug des Studentenwerks leer standen.
Finanziell unterstützt wird das Mini-Museum vom Lions-Club Nürnberg Noris, die fachliche Betreuung übernimmt „Geschichte für Alle“. Vorgestellt wird hier nicht nur die Chronik von Meister Franz, sondern auch die Geschichte der Scharfrichter in Nürnberg und das Henkershaus als historischer Ort. Seit Herbst 2007 ist die kleine vom Trödelmarkt zu erreichende Ausstellung am Wochenende zugänglich.