Gunzenhausen

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Gunzenhausen
Ortstyp Stadt
Bundesland Bayern
Regierungsbezirk Mittelfranken
Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen
Höhe 416 m über NN
Fläche 82,73 km²
Einwohner 16.000
Bevölkerungsdichte 197 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen WUG
Gemeindekennzahl 09 5 77 136
Anschrift Marktplatz 23

91710 Gunzenhausen

Telefon 09831 508-100
Telefax 09831 508-585
E-Mail stadt@gunzenhausen.de
Webseite http://www.gunzenhausen.de/
Bürgermeister Joachim Federschmidt (SPD)
Wappen

Gunzenhausen - die Stadt am Limes - in Mittelfranken gilt als Zentrum im Fränkischen Seenland und zugleich als Pforte zum Naturpark Altmühltal.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Stadt Gunzenhausen am Altmühlsee kann auf eine reichhaltige Geschichte zurückblicken. Bereits die Römer erkannten die günstige Lage der Altmühlfurt. Sie errichteten hier ein Kastell. Überreste von drei Wachttürmen bezeugen dort noch heute die besondere Bedeutung des römischen Grenzortes.


NS-Zeit

Schon deutlich vor dem Rest des Reiches setzte in der damaligen Kreisstadt und ihrer Umgebung die Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung ein, und die NSDAP erzielte hier vorauseilende Ergebnisse: 1930 waren es bereits 35 % (gegenüber knapp 19 im Reichsdurchschnitt), 1932 bereits 66 Prozent der Stimmen. Bürgermeister Heinrich Münch, 1927 noch als Parteifreier gewählt, hatte sich zunächst durch einige regionale Projekte positiv profiliert, trat 1932 der NSDAP bei und wurde ein engagierter Repräsentant des Regimes. Unter seiner Führung wurde in Gunzenhausen das erste Hitler-Denkmal des gesamten Deutschen Reiches errichtet und der „Völkische Beobachter“ bezeichnete Gunzenhausen als den „besten Bezirk“ .

Auch das „Diakonissen-Mutterhaus“ Hensoltshöhe suchte nicht nur mit seinem Engagement für die NSDAP-nahen Christen die Nähe zum Regime. Man pflegte eine enge Beziehung zum Gauleiter von Franken Julius Streicher, der Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes „Der Stürmer“ war hier ein häufiger wie gernbewirteter Gast.

Streicher war auch in der Stadt, als es am Palmsonntag, dem 25. März 1934, zum ersten Juden-Pogrom in ganz Bayern, wahrscheinlich im ganzen Reich, kam. Der Übergriff brachte Gunzenhausen weltweit negativ in die Presse: New York Times, Manchester Garden und das Neue Wiener Journal berichteten über die von mehreren hundert Gunzenhausenern begleiteten Gewaltakte der SA, welche die Ansbacher Richter im folgenden Prozess als „reinigendes Gewitter“ verharmlosten.

Einen Tag vor der Reichspogromnacht kaufte die Stadt Gunzenhausen der israelitischen Kultusgemeinde die jüdische Synagoge ab, so blieb sie auf Intervention des Feuerwehrleiters als städtischer Besitz von einer Brandschatzung verschont. Symbolisch stürzte man eine Woche später die Kuppeln. Anfang November 1938 sollen noch 64 jüdische Bürger in Gunzenhausen gelebt haben. Im Januar 1939 erfolgte die Erklärung Gunzenhausens zur judenfreien Stadt. Die Synagoge befand sich bis zu ihrem Abbruch 1981 in gewerblicher Nutzung. (1)

Lage

Die nächstgelegenen Orte sind

Verkehrsanbindung

  • Bahn: Gunzenhausen liegt an der Bahnlinie Treuchtlingen-Ansbach-Würzburg und einer Lokalbahnlinie nach Pleinfeld. Die Bahnstrecke nach Nördlingen ist für den Personenverkehr stillgelegt, soll jedoch u.U. wieder aktiviert werden.
  • Auto: Gunzenhausen liegt an der Kreuzung der Bundesstraßen 13 und 466, jedoch nicht in unmittelbarer Nähe einer Autobahn.

Sehenswürdigkeiten

Der „Wilde Markgraf“ Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach hinterließ zwei Schlösser in der Altmühlstadt. Drei Türme prägen das Stadtbild bereits von Weitem. Am bekanntesten ist der Blasturm, 1466 erbaut und im Jahre 1603 neu errichtet. Ferner gibt es noch den kleinen Storchenturm (um 1450) und den Färberturm (14. Jhr.), ein hoch aufragender Wächter aus massiven, noch mit Zangenlöchern versehenen Buckelquadersteinen.

Informationen für Urlauber

Bei einer gemütlichen Fahrt auf dem Altmühlsee mit dem Personenschiff „MS Altmühlsee“ lässt es sich besonders gut entspannen. Im nördlichen Teil des Sees befindet sich eine ca. 120 ha große Vogelschutzinsel, auf der der Landesbund für Vogelschutz in Bayern für Besucher ornithologische Führungen anbietet.

Radeln und Wandern optimal: Gunzenhausen stellt den idealen Ausgangspunkt für Wanderungen zu Fuß oder per Rad dar. 500 km markierte Radwanderwege rund um Gunzenhausen und den Altmühlsee bieten dem Radwanderer ausgiebig Gelegenheit, die reizvolle Landschaft des Altmühltals und des Fränkischen Seenlandes zu erkunden.

Mit dem „Juramare-Hallenbad mit Saunadorf“ und dem Freibad „Waldbad am Limes“ besitzt Gunzenhausen zwei Erlebnisbäder.

Literatur

  • Alt-Gunzenhausen. Beiträge zur Geschichte der Stadt und des Bezirks. Festschrift zum 1100. Jubiläum Gunzenhausens. Gunzenhausen: G. Hertlein
    • Band 1: 1923, 83 S.
    • Band 2: 1925, 100 S.
  • Alt-Gunzenhausen. Beiträge zur Geschichte der Stadt und Umgebung. Hrsg.: Verein für Heimatkunde Gunzenhausen. Gunzenhausen: Verein für Heimatkunde.
    • Heft 34: 1971, 80 S.
    • Heft 35: Hans Schlund: Gunzenhäuser Sagen. Sagen, Legenden und Geschichten aus Gunzenhausen und seinem Umland. Hrsg.: Verein für Heimatkunde Gunzenhausen. Gunzenhausen: Verein für Heimatkunde, 1972, 80 S. (Alt-Gunzenhausen; Heft 35, 1972)
  • Johann Schrenk: Chronik der Stadt Gunzenhausen. Gunzenhausen: Schrenk
  • Werner Mühlhäußer: Gunzenhausen Erfurt: Sutton, 2003, 127 S., ISBN 3-89702-538-8 (Die Reihe Archivbilder)
  • Werner Mühlhäußer: Gunzenhausen. Fürstliche Residenz unter Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach (reg. 1729 - 1757). Gunzenhausen: Schrenk, 2007, 224 S., ISBN 978-3-924270-50-6 (Reihe fränkische Geschichte; Band 13)
  • Stadtmuseum Gunzenhausen: Ausgegrenzt. Entrechtet. Verfolgt. Juden in Gunzenhausen und die Reichspogromnacht 1938. Ausstellung im Stadtmuseum „Vertreibung aus der Heimat. Das Ende der jüdischen Kultusgemeinde in Gunzenhausen 1938/39“ bis 30. Dezember 2008. Stadt Gunzenhausen, 64 S. - im Netz

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  • Gunzenhausener Gymnasiasten fassten heißes Eisen an. Noch immer eine Straße nach Nazi-Bürgermeister benannt. In: Nürnberger Nachrichten vom 28. Juni 2003

Karte

<googlemap lat="49.122422" lon="10.761108">49.115905, 10.760078, Gunzenhausen, Kreis Weißenburg-Gunzenhausen (Mfr.)</googlemap>