Henkerhaus (Nürnberg)
Aus Franken-Wiki
| Henkerhaus in Nürnberg | |
|---|---|
| Ort | Nürnberg |
| Typ | Historisches Museum |
| Eröffnet | 2007 |
| Museumsleiter | |
| Telefon | 0911 307360 |
| Website | http://henkerhaus-nuernberg.de/ |
Inhaltsverzeichnis |
Zur Ausstellung
Das Henkerhaus stellt in den ehemaligen Diensträumen des berühmtesten Henkers der Stadt, Franz Schmidt, Nürnberger Kriminalgeschichte vor. Die Ausstellung ist vom Henkerturm am Trödelmarkt aus zugänglich. Die Räume befinden sich in der einzigen noch erhaltenen überbauten Pegnitzbrücke.
Anhand des Dienst-Tagebuches von Franz Schmidt bekommen die Besucher interessante Einblicke in die Rechts- und Kriminalgeschichte der Reichsstadt Nürnberg in der Zeit um 1600. Der Verein „Geschichte für Alle“ hat die Ausstellung konzipiert und bietet von Zeit zu Zeit spezielle Themenführungen an. Die Räume wurden im September 2007 für Besucher freigegeben, nachdem der Lions-Club Nürnberg-Noris durch eine Spende die Renovierung ermöglicht hatte.
Kontakt
- Hausanschrift:
- Trödelmarkt 58
- 90403 Nürnberg
- Telefon: über „Geschichte für Alle“, 0911 307360
- Öffnungszeiten: Ostern bis Dezember jeweils Samstag und Sonntag, 14 bis 18 Uhr
- Trägerverein:
- Geschichte Für Alle e.V.
- Institut für Regionalgeschichte
- Wiesentalstraße 32
- 90419 Nürnberg
Literatur
- Erich Mulzer: Baedeker Nürnberg - Stadtführer, 9. Auflage. Von Karl Baedeker. Ostfildern-Kemnat: Baedeker, 2000, 134 S., ISBN 3-87954-024-1 - Henkersteg und Unschlittplatz.
Siehe auch
Weblinks
- Stadt Nürnberg: Henkersteg
- Geschichte für Alle e.V.: Internetauftritt
- Coongress- und Tourismuszentrale Nürnberg: Henkerhaus
- Wikipedia: Henkerturm (Nürnberg)
Artikel in der NZ
- Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!
NZ am 15.9.2007
Scharfrichter genoss hohes Ansehen
Von Ute Wolf
- Nürnberg hat ein neues Museum: In der früheren Dienstwohnung des berühmtesten Henkers der Stadt, Franz Schmidt, kann der Besucher in die Nürnberger Kriminalgeschichte der Zeit um 1600 eintauchen. Die Räume sind vom Henkerturm am Trödelmarkt aus zugänglich und auch deshalb spannend, weil sie sich in der einzigen noch erhaltenen überbauten Pegnitz-Brücke befinden.
- Franz Schmidt war ein Meister seines Fachs. Schon bei seiner ersten Enthauptung in Nürnberg im Jahr 1577 benötigte er nur einen einzigen Hieb mit dem Richtschwert, um den Delinquenten ins Jenseits zu befördern. Das Talent hatte er wohl vom Vater geerbt, der in Bamberg das Amt des Scharfrichters ausübte. Die Nürnberger beeindruckte Franz Schmidt durch seine Geschicklichkeit so sehr, dass die Stadt ihn fast 40 Jahre lang – von 1578 bis 1617 – als „Nachrichter“ beschäftigte. In dieser Position trat er in Aktion, sobald jemand zur Todes-, Leibes- oder Ehrenstrafe verurteilt wurde. Außerdem unterstand ihm bei der Ermittlung die Folter in den Lochgefängnissen. Die Stadt stellte dem Nachrichter einen Gehilfen zur Seite, den so genannten Löwen.
- Schmidt galt als angesehener Mann, auch nach seiner Pensionierung. Im Ruhestand machte er noch eine Wundarztpraxis auf. Dazu war er nach seinen eingehenden anatomischen Studien als Henker fähig wie kaum ein anderer. Während seiner Dienstzeit führte Schmidt 361 Exekutionen durch. Die listete er in einer Art Tagebuch mit dem Titel „All mein Richten“ auf. Ausschnitte daraus kann man sich an einer Hörstation in der Ausstellung zu Gemüte führen.
- Es gab verschiedene Möglichkeiten, den Angeklagten ins Jenseits zu befördern: Enthauptung, Erhängen am Galgen, Rädern, Verbrennen auf dem Scheiterhaufen oder Ertränken in der Pegnitz. Letzteres wandte man vor allem bei Kindsmörderinnen an. Schmidt setzte sich jedoch für einen möglichst „humanen“ Umgang mit den Todeskandidaten ein; beim Enthaupten mussten die Delinquenten am wenigsten leiden. Allerdings wurden um 1600 nicht nur Mörder, sondern auch Diebe, Räuber und Fälscher zum Tode verurteilt.
- Eine der Hinrichtungsstätten war der Galgen, der zwischen dem Frauentor und dem später nach ihm benannten Stadtteil Galgenhof stand – etwa an der Stelle des heutigen Allersberger Tunnels. Diesen Ort bezeichnete man auch als „Rabenstein“: Oft blieben die Leichen so lange hängen, bis sie von Vögeln bis aufs Skelett abgefressen waren.
- Anders als viele Kriminalmuseen ist die Ausstellung im Henkerhaus nicht reißerisch aufgemacht. Inhaltlich gestaltet hat sie der Historiker Martin Schieber vom Verein „Geschichte für Alle“, der Träger des Museums ist. Die Ausstellung gibt anhand von Schautafeln und Hörstationen Einblick in die Rechtsgeschichte der ehemaligen Reichsstadt Nürnberg, die sich seit dem 14. Jahrhundert zu einer frühen Form des Rechtsstaats entwickelt hatte. Die „Nürnberger Reformation“ von 1479 wurde als städtisches Zivilgesetzbuch zum Vorbild im deutschen Rechtswesen und sollte die Bürger vor obrigkeitlicher Willkür schützen. Es behielt seine Gültigkeit bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches des Deutschen Reiches. Kein Wunder, dass es Stadtrechtsdirektor Hartmut Frommer ein großes Anliegen war, diesen Abschnitt der Nürnberger Rechtsgeschichte in einem Museum einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.
- Bis zum Zweiten Weltkrieg existierte auf der Burg ein Kriminalmuseum, das jedoch mit der Zerstörung im Krieg unterging und nie wieder aufgebaut wurde. Einen passenden Ort für eine rechtsgeschichtliche Ausstellung zu finden, war gar nicht so einfach. Lange Jahre nutzte das Studentenwerk Nürnberg-Erlangen die Räume der ehemaligen Henkerswohnung. Als es auszog, ergriff man die Gelegenheit beim Schopf. Eine 30000-EuroSpende des Lions-Club NürnbergNoris anlässlich seines 40. Gründungsjubiläums machte die Renovierung der Räume und die Einrichtung der Ausstellung möglich.
