Industriegut Hammer

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Industriegut Hammer
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Eröffnet 1966
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Hammer ist ein historisches Industriegut, das am Rande des Nürnberger Stadtteils Laufamholz liegt.

Das Industriegut Hammer im Winter.
© Harald Sippel/NZ

Inhaltsverzeichnis

Zur Geschichte

Die Energie für das Messingwerk lieferte eine Mühle an der Pegnitz, die direkt an dem Gelände vorbeifließt. Dieses wurde 1492 erstmals urkundlich erwähnt, um 1820 war das Messingwerk der größte Industriebetrieb der Region. Zu dieser Zeit lebten hier 120 Menschen, denn Hammer war zugleich auch ein kleines Dorf: Zum Messingwerk gehörte neben den Wohnhäusern auch eine eigene Schule und ein Wirtshaus. Die Sandstein- und Fachwerkhäuser werden teilweise heute noch bewohnt.

Vom Pegnitztal aus wurde einst Feingold und Messing bis in den Orient geliefert. Der Exportschlager waren extrem dünne Messingfolien von gerade einmal 0,02 Millimetern, die für die Dächer und Giebel von Tempeln verwendet wurden. Das Werk hatte deshalb Generalvertretungen in Kalkutta und Bombay. In der Mitte des Dorfplatzes steht heute noch ein Obelisk mit ägyptischen Hieroglyphen. Diese Nachbildung eines Obelisken aus Konstantinopel ist ein Andenken an die Geschäftsreisen des Werkseigners Johann Christoph Volckamer. Er ließ den Steinpfeiler zunächst im Volckamerschen Hesperidengarten in Gostenhof aufstellen. 1861 wurde der Obelisk nach Hammer versetzt. Die heute mit einer Friedenstaube versehene Kriegssäule gilt als Wahrzeichen von Hammer. Das gesamte Areal ist in Europa einzigartig.

Eine frühe Errungenschaft für die Arbeiter im Fabrikgut Hammer waren die weitreichenden Sozialleistungen. Bereits vor 200 Jahren, lange vor den Bismarckschen Sozialversicherungsgesetzen, gab es dort etwa eine Witwen- und Waisenrente. Dafür mussten die Arbeiter aber ein Gelübde ablegen, die Geheimnisse der Messingherstellung niemals an Auswärtige zu verraten. Sie selbst durften das Gelände nur mit Erlaubnis des Besitzers verlassen. Sogar eine niedere Gerichtsbarkeit wurde der Industrieanlage im Nürnberger Stadtteil Laufamholz zeitweise zuerkannt: Geringe Vergehen wie Raufereien durften innerhalb der Siedlungsmauern geregelt werden. Dieses Privileg hat Ludwig I. später abgeschafft.

1977 erwarb die Nürnberger Energiegesellschaft EWAG (Vorläufer der heutigen N-Ergie) das Gelände und restaurierte viele Gebäude. Die Wasserkraft der Pegnitz, mit der die Walzwerke einst betrieben wurden, wird heute von einem Flusskraftwerk zur Stromproduktion genutzt. Bereits ab 1894 beherbergte das Industriegut neben dem Messingwerk zugleich auch Nürnbergs älteste Stromversorgung. Schon 20 Jahre später war ein Stromnetz aufgebaut, das 76 Ortschaften bis hin zum Moritzberg mit Strom versorgte. Kein Wunder also, dass schließlich die EWAG und später die N-Ergie Eigentümer des Geländes im Wasserschutzgebiet Erlenstegen wurden.

Das gesamte Ensemble steht seit 1977 unter Denkmalschutz. 1992 wurde das so genannte Uhrenhaus nach seiner Sanierung als Museum in Betrieb genommen. Der Sandsteinquaderbau mit einem Fachwerkobergeschoss diente einst als Wohnhaus mit acht Arbeiterwohnungen. Heute wird dort mit Urkunden und Schriften, Werkzeugen und Produkten auf 160 Quadratmetern Ausstellungsfläche die über 600-jährige Geschichte des Fabrikdorfes Hammer dokumentiert:

Literatur

  • Günther P. Fehring und Anton Ress (†): Die Stadt Nürnberg. 2. Auflage, bearbeitet von Wilhelm Schwemmer. München; Berlin: Deutscher Kunstverlag, 1977, unveränderter Nachdruck 1982, 599 S., ISBN 3-422-00558-7 (Bayerische Kunstdenkmale; 10), hier: S. 354 f.
  • Thomas Funk: Hammer – Ein teures Kleinod. Die Sorgen der EWAG mit Nürnbergs ältester Industrieansiedlung. In: Nürnberg Heute, Zeitschrift für Bürger und Freunde der Stadt, Hrsg.: Stadt Nürnberg, Heft 32, Juli 1982, S. 47-53
  • Ansgar Wittek: Der Nürnberger Vorort Laufamholz. Herrensitz, Bauerndorf, Stadtteil mit dem mittelalterlichen Fabrikort Hammer. Hrsg.: Vorstadtverein Nürnberg-Laufamholz e.V. - Nürnberg-Laufamholz: Vorstadtverein, 1984, 240 S.
  • Hans Wolfram Lübbeke, Michael Petzet, Otto Braasch: Mittelfranken: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler. In: Denkmäler in Bayern. Band 5. Hrsg. vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1986, 588 S., ISBN 3-486-52396-1; hier: S. 106 f. - im Netz
  • Christian Koch [Redaktion]: Leben und Arbeiten im Fabrikgut Hammer, eine Ausstellung zur Geschichte und Technik der spätmittelalterlichen Industriesiedlung Hammer und zur Entwicklung von Laufamholz; [Ausstellung im Uhrenhaus Hammer] / EWAG Trinkwasser. Nürnberg: Tümmels, 1994, 71 S., ISBN 3-921590-19-1
  • Nikolaus Bencker: Hammer in Nürnberg-Laufamholz. Neue Erkenntnisse zum Baubestand einer frühindustriellen Fabrikanlage aus dem 16. Jahrhundert. Nürnberg: 2005
  • Erik Stecher: Mit dem Drahtesel zur Messingfabrik. Radtour zum historischen Fabrikgut Hammer. In: nordbayern.de vom 6. Juli 2006 - nordbayern.de
  • Alfred Bachmann: Winterwanderung entlang der Pegnitz nach Röthenbach. Auf geschichtsträchtigen Pfaden unterwegs. In: Nürnberger Zeitung Nr. 37 vom 14. Februar 2009, S. 32 - NZ
  • gs: N-Ergie informiert über Wasserkraft. Info-Tage im alten Industriegut Hammer. In: Nürnberger Zeitung Nr. 240 vom 17. Oktober 2009, S. 10 - NZ
  • Gabi Seitz: Eine Kindheit wie im Paradies. Zu Besuch im Fabrikgut Hammer. In: Nürnberger Zeitung Nr. 241 vom 19. Oktober 2009, S. 7 - NZ
  • Hermann Rusam: Das Fabrikdorf Hammer - Indische Tempel trugen Dächer aus Nürnberg. In: Nürnberger Zeitung, Nr. 279 vom 1. Dezember 2012, S. 17.

Siehe auch

Weblinks