Kloster Banz Bad Staffelstein

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Das Kloster Banz in Bad Staffelstein.
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Das Kloster Banz in Bad Staffelstein im Landkreis Lichtenfels ist ein ehemaliges Benediktiner-Kloster und heute eine Tagungsstätte der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1069/71 stifteten Markgräfin Alberada von Schweinfurt und ihr Gemahl Hermann von Vohburg ihre Burg auf dem Banzberg zur Errichtung eines Benediktinerklosters. Bischof Otto I. weihte 1114 die Klosterkirche den hl. Petrus und Dionysius. Nach Um- und Ausbauten im späten Mittelalter und nach Verwüstung der Gebäude während des Dreißigjährigen Krieges begann zu Ende des 17. Jahrhunderts die Hochblüte des Klosters. Der barocke Neubau erfolgte in drei Phasen: Abtei- und Konventsbau nach Plänen von Leonhard Dientzenhofer ab 1698; nach dessen Tod im November 1707 geht die weitere Planung und Bauführung an dessen Bruder Johann Dientzenhofer über. 1709 Abschluss der Ausstattungsarbeiten im Kloster. Die zweite Phase bildet der Bau und die Ausgestaltung der Stiftskirche (siehe unten). Dritte Bauphase ist die Neugestaltung des Ehrenhofes und die Errichtung der umgebenden Wirtschaftsgebäude ab 1750. Der Torbau ist 1772 datiert.

Die Abtei besaß im 18. Jahrhundert eine weitum berühmte Bibliothek, eine Gemälde- und Münzsaamlung, sowie ein Naturalien- und Physikalienkabinett. Unter den Mönchen des Klostes ist der Komponist und Organist P. Johann Valentin Rathgeber namentlich zu nennen.

Die Stuckierung der Innenräume (Abtsgemächer, Fürstenzimmer etc.) erfolgte durch Johann Jakob Vogel. Die architektonische Gestaltung des Großen Saales im Abteibau dürfte mit ihren Anklängen an Werke des Francesco Borromini in Rom ein erster künstlerischer Reflex der Mitarbeit des Johann Dientzenhofer sein. Nach der 1803 erfolgten Aufhebung des Klosters erwarb Herzog Wilhelm in Bayern 1814 die Gebäude und baute sie zu seinem Sommerschloss um (daher die häufige Bezeichnung als "Schloss Banz"). 1933 nahm der Missionsorden der „Gemeinschaft von den Heiligen Engeln“ wieder den Klosterbetrieb auf. Nach dem Kauf des Klosters im Jahre 1978 hat die Hanns-Seidel-Stiftung Banz umfassend renoviert und zu einer großen Bildungs- und Tagungsstätte ausgebaut.

Stiftskirche

Die ehemalige Stifts- und heutige Pfarrkirche ist das Hauptwerk des Johann Dientzenhofer. Die Grundsteinlegung erfolgte am 11. Mai 1710. Am 15. Oktober 1719 wurde sie den hll. Petrus und Dionysius geweiht. Das Patrozinium St. Petrus ist am 29. Juni und St. Dionysius und Gefährten ist am 9. Oktober. Im Herbst 1713 begann die Eindeckung der Kirche, im Februar 1714 erhielt Johann Jakob Vogel erste Zahlungen für die Stuckierung des Chores, im Jahr 1715 erfolgte die Freskierung des Chores durch Johann Jakob Gebhardt, 1716 jene des Langhauses durch Melchior Steidl. Die weithin sichtbare, doppeltürmige Westfassade war 1718 vollendet. Das Innere zeigt sich als Wandpfeilerkirche mit eingezogenem, langen Chor. Die Pfeilerstirnen sind konkav gebogen und in den Langhausecken über Eck gestellt, woraus der Architekt ein komplexes Raumgebilde aus Oval- und Ellipsoidformen entwickelt. Die "sphärisch" verzogenen Gurtbogen der Gewölbe sind mit zeittypischem Bandelwerkstuck besetzt. Die zentrale Langhauskuppel trägt ein Fresko der "Aussendung des Heiligen Geistes", westlich flankiert von der "Bekehrung des Saulus" und östlich von der "Einsetzung des Abendmahls".

Der am Choreingang stehende als Triumphbogen konzipierte Hochaltar (Entwurf von Johann Dientzenhofer) trennt den Gemeinderaum vom Mönchschor. Das Altarbild von Sebastian Reinhard (1714) zeigt die "Enthauptung des hl. Dionysius".

Fischsaurierschädel im Museum in Banz. Foto: Birgid Röder

Heute ist das Gotteshaus des Klosters Pfarrkirche im Banzer Stift. Im Oktober, dem Rosenkranzmonat, finden hier anspruchsvolle Konzerte auf der Seuffert-Woehl-Orgel statt. An den Weihnachtsfeiertagen zeigt Pfarrer Hans-Werner Alt in der Stiftskirche eine außergewöhnliche Sammlung von Jesuskindern aus vier Jahrhunderten.

Die Künstler

  • Leonhard Dientzenhofer (1660 - 1707).
  • Johann Dientzenhofer (1669 bis 1726), jüngerer Bruder des vorigen, wurde 1711 von Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn als Hofbaumeister nach Bamberg berufen. Er arbeitete mit am Schloss Weißenstein zu Pommersfelden. Auch Pläne für einige Pfarrkirchen der Diözese Bamberg, beispielsweise die Kirche in Litzendorf, stammen von ihm.
  • Johann Jakob Vogel entstammte einer angesehenen Bamberger Stuckatorenfamilie. Als Hofstuckator war er an der Ausstattung zahlreicher Bauwerke im Hochstift Bamberg beteiligt, beispielsweise an der fürstbischöflichen Residenz.


Museum

Das Museum in Banz präsentiert drei Themenschwerpunkte: Die Petrefaktensammlung mit dem größten Fischsaurierschädel Europas, die Orientalische Sammlung von Herzog Maximilian in Bayern sowie einen Überblick über die Geschichte von Kloster Banz.

Jahrelange Diskussionen gab es um den Stein von Dendur, ein an sich unscheinbarer Sandsteinquader, der im Museum in Banz ausgestellt war. Dieser Stein war der letzte fehlende Teil des Tempels von Dendur, der sich im Metropolitan Museum in New York befindet. Dies entdeckte erst im Jahr 1998 ein Besucherpaar.

Die New Yorker wollten den Originalstein im Tausch gegen eine Kopie in ihren Tempel einfügen und gaben dem Museum für Ägyptische Kunst in München dafür eine Büste der Königin Hatschepsut. Die Oberfranken fühlten sich übergangen, weigerten sich, den Stein herauszugeben und sprachen von "Kuhhandel" zugunsten der Münchner und "Politik nach Gutsherrenart"(der damalige Bürgermeister Georg Müller). Erst nach langen Verhandlungen war die Stadt Bad Staffelstein bereit, den Stein herauszugeben, mit dem Zugeständnis aus München, dass das Museum aufwändig umgebaut wird und hier regelmäßig hochkarätige Ausstellungen stattfinden sollen.

Karte

<googlemap lat="50.132918" lon="10.999911" type="satellite" zoom="16" height="300"> 50.133413, 11.000326, Kloster Banz Bad Staffelstein </googlemap>

Literatur

  • Karl-Ludwig Lippert, Landkreis Staffelstein, Bayerische Kunstdenkmale Bd. XXVIII, München: Deutscher Kunstverlag 1968, S. 27-81.
  • Hans-Werner Alt, Kloster Banz. Ehemalige Benediktinerabtei, Kleine Kunstführer Nr. 221, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner (20. Aufl.) 1998
  • Hans-Werner Alt: Kloster Banz. Aufnahmen von Ingeborg Limmer. 4., veränd. Auflage. Königstein im Taunus: Langewiesche Nachf. Köster, 2000, 48 S., ISBN 3-7845-0194-X
  • Hanns-Seidel-Stiftung: 20 Jahre Hanns-Seidel-Stiftung in Kloster Banz 1983-2003. Eine Dokumentation. Hrsg. von Manfred Baumgärtel. München: Hanns-Seidel-Stiftung, 2003, 238 S.

Siehe auch

Weblinks

  • Die Geschichte von Kloster Banz. Vom Kloster zum Bildungszentrum - PDF-Datei