Loni-Übler-Haus (Nürnberg)
Aus Franken-Wiki
Das Loni-Übler-Haus ist einer der elf städtischen Nürnberger Kulturläden.
Inhaltsverzeichnis |
Kurzinfo
- 1060 m² Nutzfläche auf vier Ebenen
- ca. 65.000 Besucher und Besucher/innen pro Jahr
- Sechs Theatergruppen mit ca. 70 Laienschauspieler/innen, Neue Schauspielschule Nürnberg'
- 20 Kurse von Nähen über Töpfern bis Tanz- und Sprachkurse'
- 12 Fremdnutzer wie AFDC, Schachclub Noris Tarrasch und Männerforum
Geschichte
Ursprünglich als Pulvermagazin Ende des vergangenen Jahrhunderts errichtet, von der NSDAP und der Hitlerjugend als Schulungsstätte missbraucht, diente das Haus ab 1951 als Jugendwohnheim für Lehrlinge. Eine Aufsehen erregende Hausbesetzung war 1977 Auslöser für den erneuten Umbau zur soziokulturellen Begegnungsstätte mit altersübergreifendem Ansatz (seit 1980). Mit Kulturladenbetrieb, Kinderfreizeittreff, Frauenladen (1998-2004), Lago (1997-2004) und Angeboten für Ausländer bietet das Loni-Übler-Haus heute vielfältige Kultur- und Freizeitprogramme. In Ergänzung der unmittelbaren Stadtteilarbeit konnte sich das Haus bald im kulturellen Veranstaltungsbetrieb über die Stadtgrenzen hinaus profilieren: Folk-Club, Kindertheater, Frauenkabarettreihe und interkulturelle Kulturveranstaltungen wurden zu Publikumsmagneten. Seit 1997 ergänzte die Lago-Zeltdach-Arena am Wöhrder See in den Sommermonaten mit ihrem bunten Open-Air-Programm diese Schwerpunkte.
Angebotsschwerpunkte
- Kinderbereich mit Hausaufgabenbetreuung
- Türkische Kulturprogramme
- Bildungsveranstaltungen für Männer (Männerforum)
- Kulturveranstaltungen (Folk Club, Frauenkabarett, Lago)
Kontakt
Loni-Übler-Haus
Marthastraße 60
90482 Nürnberg
Telefon: 0911 541156
Telefax: 0911 541870
loni-uebler-haus@stadt.nuernberg.de
Weblinks
(Quelle: Amt für Kultur und Freizeit)
Weitere Kulturläden in Nürnberg
Außerdem besteht noch in freier Trägerschaft:
Artikel in der NZ
- Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!
- Das Loni-Übler-Haus: Lustiges und Lehrreiches
- von Clemens Helldörfer
- In der Serie »Kultur vor Ort« wird einmal wöchentlich eine Einrichtung vorgestellt, in der Kunst, Kultur und kreative Freizeitgestaltung groß geschrieben werden. In dieser Folge steht das Loni-Übler-Haus im Mittelpunkt.
- Kulturzentren haben bisweilen eine ungewöhnliche Vergangenheit: Man stößt da auf die interessantesten Nutzungen wie etwa Schlachthof-Verwaltung (Villa Leon) oder Desinfektionsanstalt (Desi). Auch das Loni-Übler-Haus kann sich hier einreihen, denn das Gebäude diente vor vielen, vielen Jahren einmal als Pulvermagazin. Davon ist heute freilich nichts mehr übrig geblieben, höchstens die »zündenden« Pointen innerhalb der Frauenkabarett-Reihe.
- Das Gebäude in der Marthastraße hat auch dunkle Zeiten hinter sich, denn es wurde von der NSDAP und der Hitlerjugend als Schulungsstätte genutzt. Ab 1951 diente es als Jugendwohnheim für auswärtige Lehrlinge. Dieser eher unspektakulären Nutzung folgte der nächste »Aufreger«: 1977 wurde das Haus als erstes in Nürnberg besetzt. Die Okkupation bildete aber auch den Auslöser für den Umbau zur soziokulturellen Begegnungsstätte.
- Seit 1980 wird dieser Ansatz in die Tat umgesetzt, und immerhin seit 1982 ist Wolfgang Sendhardt vor Ort. »Wir bieten Kultur- und Freizeitaktivitäten für die gesamte Familie«, umreißt der Einrichtungsleiter die grobe Richtung des breit gefächerten Angebots. Integrative Arbeit war schon immer ein großes Anliegen, auch die Behandlung von Frauenthemen gehört dazu. Der letzte Bereich erfuhr allerdings einen empfindlichen Dämpfer: Nach einer weiteren Stellenkürzung musste der in Nürnberg einzigartige »Frauenladen« seine Arbeit einstellen.
- Weiterhin aktiv ist das »Männerforum«, das allerdings als unabhängiger Anbieter in den Räumen des Loni-Übler-Hauses aktiv ist. Die Auseinandersetzungen mit der männlichen Geschlechterrolle stoßen auf große Resonanz: So kamen zu einem Fachvortrag über Depressionen bei Männern über 80 Zuhörer.
- Sein eigenes Profil schärft das Loni-Übler-Haus vor allem durch zwei Kulturkonzepte, die weit über die Grenzen des Stadtteils hinaus bekannt und beliebt sind: Die in »Nürnberg plus« bereits ausführlich gewürdigte Frauenkabarett-Reihe besteht schon seit 17 Jahren und kann sich nach wie vor nicht über mangelnde Nachfrage beklagen. Hier waren schon so gut wie alle, die sich einen Namen gemacht haben: Sissi Perlinger ebenso wie Pe Werner oder die Missfits.
- Nicht weniger geläufig ist der »Folk Club«, der auch schon seit Ende der 80er existiert. Über 250 Einzelkünstler und Gruppen, so rechnet Wolfgang Sendhardt vor, sind in diesem Rahmen bereits aufgetreten, vor allem Folkmusiker aus Schottland und Irland.
- Bemerkenswert an diesen Programmen ist auch der Umstand, dass sie sich selbst tragen. Die knappen Mittel der Einrichtung sollen nämlich ausdrücklich der soziokulturellen Arbeit zugute kommen. Hier findet sich etwa ein umfassendes Angebot für Kinder aus vielen verschiedenen Nationen inklusive Hausaufgabenbetreuung, türkische Kulturprogramme, viele Kurse von Flamenco über Bauchtanz bis Gymnastik oder die sieben Theatergruppen mit über 70 aktiven Laienschauspielern. Über zehn »Fremdnutzer« (etwa der Schachclub Noris Tarrasch, der eine sehr engagierte Nachwuchsarbeit betreibt) runden das Angebot ab.
- Zum Schluss soll noch mit einem nicht allzu seltenen Missverständnis aufgeräumt werden: Das Haus ist keinesfalls nach einer Frau benannt, denn im Fränkischen steht »Loni« für den eindeutig männlichen Namen Leonhardt. Dem Namenspatron des Hauses, der u.a. nach der NS-Diktatur die Arbeiterwohlfahrt in Nürnberg wieder aufbaute, ist die zeitweilige Nutzung der Einrichtung als Lehrlingswohnheim zu verdanken.
