Nürnberg im Film

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Szene aus dem Film "Der Meister von Nürnberg" mit Maria Solveg als Evchen

Die Stadt Nürnberg ist zwar in historischer Hinsicht in vielerlei Hinsicht bedeutend, hat allerdings in der Geschichte des Films zumindest bislang erstaunlich wenig Spuren hinterlassen. Der bekannteste Film, in dem die Stadt eine - wenn auch wenig glanzvolle - Hauptrolle spielt, ist mit weitem Abstand "Das Urteil von Nürnberg" von Stanley Kramer, in dem es um die Nürnberger Prozesse geht. Als filmische Dokumente einer unseligen Ära gelten die Dokumentarfilme von Leni Riefenstahl, in denen sie die Reichsparteitage der NSDAP in Szene setzte. Darüber hinaus taucht Nürnberg als Drehort und Filmkulisse allenfalls sporadisch oder in eher exotischen und unbekannten Werken auf. Der Nürnberger Journalist Herbert Heinzelmann hat in der Serie "Nürnberg im Film", die im NürnbergPlus-Teil der Nürnberger Zeitung erschien, die einzelnen Aspekte und Auftritte der "Filmstadt Nürnberg" unter die Lupe genommen.

Artikel aus der Serie "Nürnberg im Film"

Im Vergleich zu anderen großen deutschen Städten führt Nürnberg ein Stiefkind-Dasein in punkto "Würdigung als Filmkulisse". Nicht einmal ein Tatort-Kommissar wurde der Noris bislang gegönnt. In erster Linie erinnert man sich nur an Filme, die irgendwie mit der NS-Diktatur zusammenhängen oder die Stadt als vom Krieg zerstörte Trümmerwüste zeigen.
Die "Noris-Schau" wäre ein unbezahlbarer Schatz, wenn es um dokumentarisches Filmmaterial über Nürnberg geht: Leider ging die Chronik über die Stadt im Zeitraum von 1909 bis in die 1930er Jahre in den Kriegswirren verloren - bis auf einige wenige archivierte Schnipsel.
Der Stummfilm "Der Meister von Nürnberg" ist eigentlich nur eine harmlose Umsetzung der Wagner-Oper als Filmkomödie. Trotzdem rief das Werk in den 1920er Jahren einen riesigen Proteststurm hervor. Auch einige Zeitungen befürchteten eine Schändung des Andenkens an Richard Wagner, die Nürnberger Zeitung hielt sich damals allerdings wohltuend zurück. Näheres findet man auch auf der Seite Der Meister von Nürnberg.
Der Streifen "Triumph des Willens" prägte fatalerweise jahrzehntelang das Nürnberg-Bild in der Öffentlichkeit und in den Geschichtsbüchern. Ausgangspunkt des Films war der Plan von Hitler und Goebbels, den Reichsparteitag von 1933 als Filmdokument festzuhalten. Das erste Ergebnis war der heute weitgehend unbekannte Film "Sieg des Glaubens", dem ein Jahr später "Triumph des Willens" folgte. Bis heute darf der Film nur zusammen mit einer historischen Einführung und einem Diskussionsangebot zugänglich gemacht werden.
Veit Harlans Film "Das unsterbliche Herz" aus dem Jahr 1938 dreht sich um den Uhren-Erfinder Peter Henlein. Der Regisseur wartete damals mit großen Darsteller-Namen wie Heinrich George und Kristina Söderbaum auf, setzte die Stadt monumental in Szene und mobilisierte Zehntausende Nürnberger Bürger als Statisten. Das bewirkte immerhin, dass die Nürnberger nach der Premiere die Kinosäle stürmten, im restlichen Deutschland war die Nachfrage allerdings eher gedämpft.
Verhandlungstag bei den Nürnberger Prozessen, im Hintergrund Kameras
Im Rahmen eines "neuen Realismus", der nach dem 2.Weltkrieg in Hollywood gepflegt wurde, drehten Filmteams in den authentischen Kulissen des zum Teil zerstörten Europas. Auch Nürnberg wurde mehrfach zum Schauplatz auserkoren - so bei "Die Gezeichneten" von Fred Zinnemann und "Entscheidung im Morgengrauen" von Anatole Litvak.
Der bekannteste Drehort im Nachkriegs-Nürnberg war der Schwurgerichtssaal 600, Hauptschauplatz der Nürnberger Prozesse. Der zentrale und berühmteste Film ist zweifelsohne "Das Urteil von Nürnberg" von Stanley Kramer, international besetzt mit Spencer Tracy, Richard Widmark, Maximilian Schell und Marlene Dietrich. Aber auch Nürnberger Bürger hatten als Statisten Auftritte vor der Kamera - unter anderem der frühere NZ-Chefredakteur Martin Döbert.
Beim Filmemachen ist es nicht nur üblich, nächtliche Szenen am hellichten Tag zu drehen: Auch Stadtkulissen werden gerne nicht ganz originalgetreu eingesetzt, wie etwa bei den "Drei Musketieren", bei denen Bamberg nach Frankreich verlegt wurde. Nürnberg diente auch des öfteren als Filmkulisse für andere Orte, so mutierte etwa das Valka-Lager in Langwasser zu einem Hamburger Auffanglager.
Ein Nürnberg-Kultfilm im doppeldeutigen Sinne ist "Macho Man", ein bisweilen unfreiwilliger Krimi mit Peter Althoff und dem Boxer Rene Weller. Es existieren aber auch noch einige andere schräge Streifen mit Bezug zur Noris, so etwa der Horrorfilm "Die Schrecken der Burg von Nürnberg" mit Elke Sommer, wo die Stadt allerdings lediglich im Titel auftaucht.
Der fränkische Mundartautor und Dramatiker Fitzgerald Kusz war auch für mehrere deutsche Filme als Drehbuchautor aktiv: So schrieb er das Buch für den Film "Marianne und Sofie" mit Sofie Keeser, der dann allerdings unter dem dümmlichen Titel "Zwei ausgeflippte Omas" herauskam. In der Fränkischen Schweiz spielt der ebenfalls auf einem Kusz-Drehbuch basierende Film "Gudrun" von Hans W. Geißendörfer.
Etliche Dokumentarfilme aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentieren Nürnbergs Geschichte und den Alltag in der Stadt: So etwa "Nürnberg im Film" und "Nürnberg im Film 2" von Ernst Gortner sowie die Multivisionsschau "Noricama".
Dank Christian Zübert hatte Nürnberg 2011 wieder einen gewichtigen Auftritt als "Filmstadt": In dem Streifen "Dreiviertelmond" spielt Elmar Wepper einen grantelnden Nürnberger Taxifahrer, der sich mit einem kleinen türkischen Mädchen zusammenraufen muss. An seiner Seite agiert u.a. Bernd Regenauer. Da tut es auch keinen Abbruch, dass bei manchen Szenen Gostenhof in Wirklichkeit in Fürth lag. Auf einen veritablen Krimi wie etwa einen Nürnberg-Tatort müssen die Bewohner der Frankenmetropole allerdings noch wohl ein Weilchen warten.