Naturschutzgebiet Tennenloher Forst

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Mittelfränkische Steppenlandschaft. Das Naturschutzgebiet Tenneloher Forst. Foto: Ute Fürböter

Das Naturschutzgebiet Tennenloher Forst ist ein ca. 930 ha großes Gebiet im Sebalder Reichswald zwischen Erlangen und Nürnberg. Es wurden 1994 als Naturschutzgebiet ausgewiesen und ist Teil des europäischen Netzes schützenswerter Gebiete "Natura 2000". Es zählt zu den größten Naturschutzgebieten Bayerns.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bis ins Jahr 1994 rollten Panzer der US-Armee über den Sandboden zwi­schen Erlangen und dem Knoblauchs­land und walzten alles platt, was ihnen in den Weg kam. Die Militärgeschichte des Areals reicht über hundert Jahre in die Ver­gangenheit. Bereits ab 1886 diente der Wald dem bayerischen Jägerbataillon als Schieß- und Exerzierplatz. Ab 1890 „trainierten“ hier das in Erlan­gen stationierte 19. Infanterieregi­ment und das 10. bayerische Artillerie­regiment. Im Jahr 1935 rodete die Wehrmacht 200 Hektar des Waldes. Die größten landschaftlichen Ein­schnitte folgten aber nach dem Zwei­ten Weltkrieg, als die US-Streitkräfte den Truppenübungsplatz übernah­men und hier unter anderem einen gut 30 Meter hohen Kugelfangwall auf­schütteten. Die militärischen Altlas­ten sind enorm. Der militärische "Missbrauch" des Forstes sollte sich aus biologischer Sicht als Glücksfall erweisen. Das Natur­schutzgebiet liegt direkt auf der „Sandachse Franken“. Die ständigen Panzerbewe­gungen, die Explosionen und Brände sorgten dafür, dass sich hier der Wald den sandigen Boden nicht zurücker­obern konnte. Mit etwa 100 Hektar ist das NSG das größte geschlossene Sandvorkommen in Süd­deutschland.

Artenvorkommen

Die Standortvielfalt im NSG Tenneloher Forst umfasst neben trockenen Sandmagerrasen, Heiden und lichten Kiefernwäldern auch feuchte Moorbereiche bis hin zum Erlenbruch. Über 1.800 Tier- und Pflanzenarten leben in diesem Naturschutzgebiet. Mehr als 330 davon sind stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Vor allem die waldfreien Flächen wie Sandmagerrasen und Heiden werden von einem Großteil der Arten als Lebensraum genutzt. So karg dieser lange Streifen Land auch wirkt, so vielfältig sind seine Bewohner. Der Sandmagerrasen bie­tet einen einzigartigen Lebensraum. Gerade das Extreme, die Trockenheit, der nährstoffarme Boden, der sich im Sommer auf bis zu 60 Grad Celsius erhitzt, bieten Überle­benskünstlern mit ausgefeilten Strate­gien eine Nische. Dazu zählen unter anderem die Blauflügelige Ödland­schrecke (das Wappentier der Sand­achse ist schon so etwas wie ein Medienstar), die Ameisenjungfer (und ihre berühmtere Larve, der Ameisen­löwe), der Sandlaufkäfer, die Heide­nelke, das Silbergras und zahlreiche bodenbrütende Vögel.

Die Przewalski-Pferde

Seit dem Jahr 2003 wurde eine kleine Herde von Przewalski-Hengsten im NSG Tenneloher Forst angesiedelt (der russische Offizier und Expeditionsreisende Nikolai Michailo­witsch Przewalski beschrieb die Tiere 1878 erstmals nach einer Asienfahrt wissenschaftlich für die westliche Welt), Sie stammten aus dem Nürnberger Tiergarten und dem Münchner Tierpark Hellabrunn.

Die robusten Pferde sollen den ökologischen Wert des Biotops erhalten. Damit sich der Wald die kostbare Sand-Öde nicht binnen kürzester Zeit zurückholt, sollen sie als "Landschaftspfleger" arbeiten und Pioniergehölze, Sträucher und junge Bäume abfressen, so dass der Steppencharakter des NSG erhalten bleibt.

Literatur

  • Ute Fürböter: Eine Herde wilder Pferde auf sandiger Erde. Wanderung zu den Przewalski-Pferden im Tennenloher Forst. In: Nürnberger Zeitung vom 22. August 2009 - NZ
  • Christian Rothmund: Die Steppe hinter dem Speckgürtel. Auf Spurensuche im Tennenloher Forst. In: Nürnberger Zeitung vom 24. August 2009, Nürnberg plus - NZ

Weblinks

  • Projekt „Urwildpferde als Landschaftpfleger“. Landschaftspflegeverband Mittelfranken - im Netz

Das NSG Tennenloher Forst bei Google-Maps