Pellerhaus

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Das Pellerhaus am Egidienplatz 23 in Nürnberg galt einst als eines der prachtvollsten Beispiele für ein Bürgerhaus der deutschen Renaissance-Architektur. Große Teile des Hauses wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Pellerhaus 1932
Stadtbibliothek 2012

Inhaltsverzeichnis

Zur Geschichte des Pellerhauses

1602-1605: Das Pellerhaus wurde im Auftrag von Martin Peller von Jakob Wolff dem Älteren als prächtiges Bürgerhaus gebaut. Der Kaufmann Martin Peller hatte das an dieser Stelle stehende Vorgängergebäude im Jahr 1600 von der Familie Groland erworben und es für den Neubau abreißen lassen.

1605-1607: An das Vorderhaus wird ein Hof mit zweistöckigen Galerien angebaut. Außerdem wird an der Nordseite eine Hinterhausfassade als Kulisse vor ein älteres Rückgebäude vorgeblendet. Arkaden verbinden Vorderhaus und Rückgebäude.

1616: In die Fassade des Vorderhauses wird ein Chörlein eingefügt. Das Pellerhaus behält seitdem bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg sein äußeres Erscheinungsbild bei.

1625-1629: In dieser Zeit bewohnt Martin Peller das Haus. Bis zum Jahr 1828 bleibt es im Besitz der Familie Peller. Im 19. Jahrhundert wechselt es mehrmals den Besitzer.

1882-1929: Im Juni 1882 erwarb Georg Eysser, Inhaber der Möbelfabrik J. A. Eysser das Haus, um die historischen Räume als Ausstellungs- und Verkaufslokale für die Produkte seiner Firma zu nutzen. Auch nach dem Verkauf des Pellerhauses 1929 an die Stadt Nürnberg, konnte die Firma die Räumlichkeiten noch bis Mitte der 1930er Jahre nutzen.

1929: Die Stadt Nürnberg erwirbt unter Oberbürgermeister Hermann Luppe das Pellerhaus. Damit wird der denkmalgerechte Unterhalt des Gebäudes garantiert.

1931-1934: Die Stadt lässt das Pellerhaus, den Hof und die Hinterhausfassade aufwändig restaurieren. Dabei werden detailgenaue Pläne der Hinterhausfassade gezeichnet, die heute noch erhalten sind.

1944-1945: Die Bomben des Zweiten Weltkriegs zerstören am 3. Oktober 1944 den Hof des Pellerhauses weitgehend, am 2. Januar 1945 das Pellerhaus selbst. Erhalten bleiben die Gewölbekeller, die halbe Erdgeschossfassade und die Rückfassade des Vorderhauses bis zum Giebelansatz, der markante Treppenturm, Teile des Gewölbes in der Eingangshalle, zirka ein Drittel des Hofes und viele Ornamentsteine, die unter Trümmern verschüttet werden.

1955-1957: Auf dem rekonstruierten Erdgeschoss entsteht der Neubau nach Plänen von Fritz und Walter Mayer.

Zum Wiederaufbau

Neubau 1955/57

Beim Wiederaufbau in den 1950er-Jahren entschied man sich nur für eine teilweise Rekonstruktion des Gebäudes in alter Form. Auf dem rekonstruierten Erdgeschoss entstand ein Neubau der Architekten Fritz und Walter Mayer, ein reiner Zweckbau, der vom Stadtarchiv und von Teilen der Stadtbibliothek und der Universitätsbibliothek der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät genutzt wurde.

Auch der an das Vorderhaus anschließende eindrucksvolle Pellerhof mit seinen erdgeschossigen Arkaden, den zweistöckigen Galerien und einer prächtigen Hinterhausfassade wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Man baute in den 1950er-Jahren nur die Bogenwände bis einschließlich des ersten Obergeschosses wieder auf. Der einst überwältigende Eindruck des Hofes lässt sich heute nur noch erahnen.

Erich Mulzer über das Pellerhaus

Erich Mulzer, der Chef der Altstadtfreunde Nürnberg, stellte fest: „Das Gebiet östlich des Hauptmarktes, bis 1945 der unberührteste Teil Alt-Nürnbergs, wurde durch Bombenkrieg und Schutträumung in eine riesige planierte Fläche verwandelt. Auch die Neubebauung zeigte sich hier meist weniger anpassungswillig als in anderen Teilen der Altstadt, und wiederhergestellte historische Zeugnisse sind nur ganz vereinzelt eingestreut.

Die bedeutendsten dieser Bebauungsreste finden sich am Egidienplatz. Sein früher vornehmes und würdevolles, fast nur von Patrizierhäusern bestimmtes Bild ist heute durch den Flachdachbau der Stadtbibliothek (1957) entstellt. Bis 1945 erhob sich dort platzbeherrschend das Pellerhaus (Jakob Wolff d.J. 1605) [richtig: d.Ä.], der stolzeste Bürgerbau Nürnbergs und eines der berühmtesten Renaissancehäuser europäischer Architektur. Trotz erheblicher erhaltener Teile erfolgte keine Wiederherstellung, sondern nur die Einfügung verbliebener Substanzen in den Bibliotheksneubau. Im einzelnen handelt es sich dabei um das rustizierte Quadermauerwerk des Erdgeschosses, die in nachgotischen Formen gehaltene Eingangshalle (während der Dienstzeit zugänglich) und den von hier aus durch eine Glaswand sichtbaren, in halber Höhe konservierten Arkadenhof. Diese spärlichen Reste vermögen die überwältigend reiche Architektur des früheren Kaufmannshauses allenfalls ahnen lassen.

Im Hof steht seit 1957 der Apollobrunnen (wohl nach Entwürfen Peter Flötners 1532; ursprünglich für das Herrenschießhaus bestimmt). Die nackte, kraftvoll den Bogen spannende Figur des Schützen kommt dem Menschenbild der klassischen Renaissance nahe, während Getier und Putten am Sockel eher an die wimmelnde Formenwelt des Sebaldusgrabs erinnern. Von den Innenräumen hat sich lediglich die Decke des 'Schönen Zimmers' erhalten (jetzt im Stadtmuseum).“ [1]

Wiederaufbau des Pellerhofes durch die Altstadtfreunde Nürnberg

Die Altstadtfreunde Nürnberg e.V. starteten im Oktober 2005 eine Aktion zum Wiederaufbau des Pellerhofes, die von Beginn an von der Nürnberger Zeitung unterstützt wurde und wird. Nach anfänglich ablehnender Haltung gab im Mai 2006 auch der Nürnberger Stadtrat seine Zustimmung zu einer Rekonstruktion des Pellerhofes. Die Finanzierung muss allerdings über Spenden erfolgen, die vom Verein der Altstadtfreunde Nürnberg zusammengetragen werden. Dazu wurde im Juni 2006 der „Förderkreis Pellerhof“ gegründet. Die Spendenaktion begleitet die Nürnberger Zeitung mit einer Artikelserie, in der Spender für den Pellerhof vorgestellt werden.

Literatur

  • Reinhold Schaffer: Das Pellerhaus in Nürnberg. Nürnberg; Berlin: Ulrich, 1934, 77 S.
  • Erich Mulzer: Nürnberger Bürgerhäuser. Nürnberg: Spindler, 1954, 68 S. (2. Auflage, 1964)
  • Ruth Bach: Das ehemalige Pellerhaus in Nürnberg, Magister-Arbeit, Erlangen, 1984
  • Ruth Bach-Damaskinos, Erich Mulzer: Pellerhaus. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999 - im Netz
  • Erich Mulzer: Das Egidienviertel und die östliche Altstadt. In: Erich Mulzer: Baedeker Nürnberg - Stadtführer, 9. Auflage. Von Karl Baedeker. Ostfildern-Kemnat: Baedeker, 2000, 134 S., ISBN 3-87954-024-1 - auch im Netz
  • Ute Wolf: Ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk. In: Nürnberger Zeitung vom 26. Oktober 2005 - NZ
  • Ute Wolf: Altstadtfreunde zum Pellerhof: „Speerspitze für den Wiederaufbau“. In: Nürnberger Zeitung Nr. 23, vom 28./29. Januar 2006, S. 9
  • Ute Wolf: Wiederaufbau des Pellerhofes: Eindeutiger Bürgerwille. NZ-Kommentar. In: Nürnberger Zeitung Nr. 23 vom 28./29. Januar 2006, S. 9
  • BauLust: Die Zukunft des Pellerhauses. Wie gehen wir mit einem Abbild der Nürnberger Stadtgeschichte um? Architektur im Gespräch. Podiumsdiskussion zur Bedeutung des Pellerhauses, seinen Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten. 4. Februar 2006 - im Netz
  • Peter Viebig: Verwaltung arbeitet beim Pellerhof mit. In: Nürnberger Zeitung vom 11. Mai 2006
  • hv: Steinspende erbeten. Altstadtfreunde sammeln für Pellerhof-Fassade. In: Nürnberger Nachrichten vom 16. September 2006 - NN
  • Ute Wolf: Ein „Spinner“ macht Furore. In: Nürnberger Zeitung vom 28. Januar 2007 - NZ
  • André Fischer: 500 000 Euro Spende von Karl Diehl für Pellerhof. Wiederaufbau rückt näher. In: Nürnberger Zeitung Nr. 99 vom 30. April 2007, S. 9
  • Ursula Tannert: Im November vor 55 Jahren war der Wiederaufbau des Pellerhauses schon einmal Thema. Aus Renaissancebau sollte Kulturzentrum werden. In: Nürnberger Zeitung Nr. 276 vom 29. November 2007, Nürnberg plus, S. + 4 - NZ
  • Ute Wolf: Rechtlicher Rahmen für Rekonstruktion des Pellerhofes steht. Bau kann 2008 beginnen. [Wiederaufbau des Pellerhofes rückt näher]. In: Nürnberger Zeitung Nr. 278 vom 1. Dezember 2007, S. 13 - NZ
  • Isabel Lauer: Frauenkirche als Vorbild. In: Nürnberger Zeitung vom 27. Dezember 2007 - NZ
  • uwo [= Ute Wolf]: Steinspender für den Pellerhof. Ein Kämpferstein für die Westfassade. In: Nürnberger Zeitung vom 31. Juli 2008 - PDF-DateiNZ (Steinspender: Monika und Richard Riedel, Inhaber der Schuhhäuser Schübel-Schuhe und Schuh Hofmann am Hallplatz)
  • fis [= André Fischer]: Baubeginn am Freitag. Pellerhof wird rekonstruiert. In: Nürnberger Zeitung Nr. 245 vom 20. Oktober 2008, S. 9 - NZ
  • fis [= André Fischer]: Grundsteinlegung für den Wiederaufbau des Pellerhofes. Ein Stück Heimat und Identität. In: Nürnberger Zeitung Nr. 250 vom 25. Oktober 2008, S. 9 - NZ
  • Fritz Aschka: Ein Haus braucht Leben. Was gegen die Rekonstruktion des Pellerhofs spricht. In: Nürnberger Nachrichten vom 6. November 2008 - NN
  • André Fischer: Architekten der 50er Jahre fassten den Pellerhof zurückhaltend an. Ein Denkmal war nie geplant. In: Nürnberger Zeitung Nr. 11 vom 15. Januar 2009, S. 9 - NZ
  • uwo [= Ute Wolf]: «Eine Bürgerpflicht, die man gern auf sich nimmt». Steinspender für den Pellerhof. In: Nürnberger Zeitung vom 10. Juni 2009 - NZ [Steinspender: Maria und Claus Pese, Oberkonservator i.R., Germanisches Nationalmuseum]
  • Alexander Brock: Pellerhaus: Eine Brücke in die Zukunft. Neues Buch: Vier Experten schreiben über das Pellerhaus. In: Nürnberger Nachrichten vom 7. Juli 2009 - NN
  • Swetje Bolduan, Herbert May, Nikolaus Bencker, Harald Pollmann: Pellerhaus Nürnberg. Hrsg.: Matthias Böckel, Nürnberg: Verlag Edition Hertel, 2009, 131 S., ISBN 978-3-9812921-0-7
  • Andreas Franke: Radtour zwischen Pellerhaus und Pellerschloss. 135 Teilnehmer ließen sich von Altstadtfreunden verführen. In: Nürnberger Nachrichten vom 28. September 2009 - NN
  • Gabi Seitz: Peller an Start und Ziel. Radtour mit den Altstadtfreunden. In: Nürnberger Zeitung Nr. 224 vom 28. September 2009, Nürnberg plus, S. + 4 - NZ
  • uwo [= Ute Wolf]: Steinspender für den Pellerhof. Aus Liebe zur Altstadt. In: Nürnberger Zeitung Nr. 232 vom 8. Oktober 2009, S. 11 - NZ [Steinspenderin Sybille Zech]
  • uwo [= Ute Wolf]: Steinspender für den Pellerhof. Ein Stück Alt-Nürnberg. In: Nürnberger Zeitung Nr. 269 vom 20. November 2009, S. 10 - NZ [Steinspender Dr. Hermann Caspary]
  • uwo [= Ute Wolf]: Beitrag von Steinmetz Stefan Greger: Ein Meisterstück für den Pellerhof. In: Nürnberger Zeitung Nr. 302 vom 31. Dezember 2009, S. 10 - NZ
  • uwo [= Ute Wolf]: Steinspender für den Pellerhof. «Ein Herz für historische Bauten». In: Nürnberger Zeitung Nr. 18 vom 23. Januar 2010, S. 10 - NZ [Steinspender: Auktionator Herbert Weidler, Inhaber des Auktionshauses Weidler am Albrecht-Dürer-Platz]
  • uwo [= Ute Wolf]: Steinspender für den Pellerhof. Eine »rettende Hand» aus Köln. In: Nürnberger Zeitung Nr. 70 vom 25. März 2010, S. 12 - NZ [Steinspender: Cornelius Keil, Bühnenmeister aus Köln]
  • Ute Wolf (Text) und Hagen Gerullis (Fotos): Mit dem Wiederaufbau und den Spenden der Bürger geht es voran. Es wölbt sich was im Pellerhof. In: Nürnberger Zeitung Nr. 81 vom 9. April 2010, S. 14 - NZ
  • uwo [= Ute Wolf]: Ein Stuttgarter Steinspender für den Pellerhof. In: Nürnberger Zeitung Nr. 119 vom 27. Mai 2010, S. 13 - NZ [Steinspender: Ulrich Staiger, der ursprünglich aus Stuttgart stammt, lebt schon seit 1968 in Nürnberg.]
  • uwo [= Ute Wolf]: Benefiz-Aktion für den Pellerhof. Tafeln wie in der Renaissance. In: Nürnberger Zeitung Nr. 125 vom 3. Juni 2010, S. 9 - NZ

Siehe auch

Weblinks

  • Pellerhof-Seite im Themenarchiv der Nürnberger Zeitung - NZ
  • Altstadtfreunde Nürnberg e.V.: Der Förderkreis Pellerhof zum Wiederaufbau des Pellerhofes im Netz
  • BauLust: Die Zukunft des Pellerhauses. Podiumsdiskussion zur Bedeutung des Pellerhauses. 14. Februar 2006 - im Netz
  • BauLust: Informationen zum Pellerhaus - PDF
  • Architectura pro homine: Forum zum Wiederaufbau - im Netz
  • Pellerhaus (Baukunst Nürnberg) - im Netz
  • 900 Jahre Stadtplanung Nürnberg. Stadtbild Deutschland e.V. 2008 - im Netz (mit Foto Pellerhaus, Innenhof u.a. Fotos)

Artikel in der NZ

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

NZ vom 26.10.2005

Von Ute Wolf

Ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk

Das Pellerhaus wird heuer 400 Jahre alt. Ein ungewöhnliches Geburtstagspräsent hat sich der Steinmetz Harald Pollmann ausgedacht: Er schenkt der Stadt vier von ihm originalgetreu rekonstruierte Sandsteinquader, die im nur fragmentarisch wieder aufgebauten Innenhof des Pellerhauses eingesetzt werden sollen. Für Pollmann könnte das ein erster Schritt sein, »das ehemalige Erscheinungsbild dieser einzigartigen Hofarchitektur wieder erkennbarer zu machen«.
Das von Jakob Wolff d. Ä. am Egidienplatz erbaute Pellerhaus mit seinem prächtigen Arkaden-Innenhof galt einst als repräsentativstes Renaissance-Bürgerhaus der Stadt und zählte zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Nürnbergs. Die Stadt hat das Anwesen 1929 als Sitz für das Stadtarchiv erworben und in den 30er Jahren aufwändig restauriert. Doch die frische Pracht war von kurzer Dauer: 1945 wurde das Ensemble weitgehend von Bomben zerstört. Man entschloss sich zu einem nur teilweisen Wiederaufbau, den man mit einem modernen Bibliotheks-Zweckbau kombinierte.
Von dem ehemals so eindrucksvollen Innenhof mit dem herrlichen Rückgebäude kann man sich heute kaum noch eine Vorstellung machen. Das findet Harald Pollmann schade. Der 31-Jährige lebt seit neun Jahren in Nürnberg und hat sich, wie er sagt, von der ersten Sekunde an »von dem faszinierenden Stadtbild verzaubern lassen«. Als Steinmetz möchte er einen Beitrag dazu leisten, die Stadt noch schöner zu machen.
Pollmann kann nicht nachvollziehen, warum die Wiederherstellung des Pellerhaus-Innenhofes nie fortgesetzt wurde. Darum tritt er nun mit einem Vorschlag an die Stadt heran: »Meine Idee ist es, dem Fragment der Hofarchitektur weitere Sandsteinquader hinzuzufügen, um das alte Erscheinungsbild wieder erkennbarer zu machen, ohne an der bestehenden Substanz des Gebäudes etwas zu verändern.«
Zu diesem Zweck stellt Pollmann vier von ihm rekonstruierte Quader zur Verfügung. Über 50 Stunden Arbeit hat er in die Bearbeitung der Steine investiert. Das Ergebnis: eine Brüstung mit gotischen Ornamenten, die er nach Detail-Zeichnungen der Restaurierung in den 30er Jahren »hundertprozentig kopiert« hat, eine Fensterbank und ein Laibungsstein für ein Fenster, das sich einst im zweiten Stock des Rückgebäudes auf der nördlichen Innenhofseite befand.
Der Steinmetz hat seinen Vorschlag in Form eines offenen Briefes an OB Ulrich Maly geschickt und ist nun gespannt, wie die Stadt reagiert. Pollmann kündigt außerdem an, dass einige Kollegen von ihm und auch er selbst bereit sind, weitere Mosaiksteine zur Wiederherstellung des Innenhofes beizusteuern.
»Der derzeitige fragmentarische Zustand des Hofes darf doch kaum das letzte Wort in Sachen Pellerhaus sein«, meint der Steinmetz. Er glaubt, mit Hilfe von Sponsoren Möglichkeiten zu finden, sich dem früheren Erscheinungsbild des Hofes ein wenig mehr anzunähern. Seine Aktion, so hofft er, könnte vielleicht einen Anstoß dazu geben, das Thema neu zu überdenken. Die Steinquader ließen sich ohne großen Aufwand zumindest probeweise einbauen, »sie können jederzeit wieder runtergenommen werden«.
Wer sich dafür interessiert, kann Pollmanns Arbeit am kommenden Samstag selbst in Augenschein nehmen: Die Altstadtfreunde bieten einen Spaziergang anlässlich des 400-jährigen Bestehens des Pellerhauses an. Treffpunkt ist zwischen 9 und 16 Uhr am Stadtmuseum Fembohaus. Dort wurde der noch erhaltene ehemalige Prunksaal aus dem zweiten Obergeschoss des Pellerhauses eingebaut. Die Führungen beginnen deshalb am Fembohaus, dann geht der Spaziergang zum Pellerhaus hinüber. Dort wird im Innenhof das »Geburtstagsgeschenk« von Harald Pollmann gezeigt.


NZ vom 28.1.2006

Von Ute Wolf

»Speerspitze für den Wiederaufbau«

Mit einer derart großen Zustimmung der Bevölkerung zu der Idee, den einst prachtvollen Hof des Pellerhauses wiedererstehen zu lassen, hatten zunächst wohl nicht einmal die Altstadtfreunde gerechnet. Nun wollen sie das Ganze aber voranbringen und haben zu diesem Zweck einen »Arbeitskreis Pellerhaus« gegründet.
»Die Altstadtfreunde wollen Speerspitze für den Wiederaufbau des Hofes sein«, sagt der Sprecher des AK, Karl-Heinz Enderle. Der AK hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gespräche mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Denkmalschutz voranzutreiben, um »den Nürnbergern den Pellerhof zurückgeben« zu können. Mit der von Steinmetz Harald Pollmann ins Leben gerufenen Initiative »Steinspende Pellerhaus« will man gemeinsam alles daransetzen, dieses Ziel zu verwirklichen. Auch ein eigenes Spendenkonto werden die Altstadtfreunde dafür noch einrichten.
Von ursprünglich über 20 repräsentativen Bürgerhöfen in der Stadt »haben wir jetzt noch zwei halbe«, so Enderle, »nämlich den Weberhof und den Pellerhof«. Nun bestehe »die einzigartige Chance, zu zeigen, wie ein großer Nürnberger Hof ausgesehen hat«. Das sei mit Sicherheit auch ein großer Gewinn für den Nürnberg-Tourismus. Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg galt das Pellerhaus mit seinem imposanten Innenhof schließlich als eine der Hauptsehenswürdigkeiten in der Stadt.
Schon bei ihrer Führung anlässlich des 400. Geburtstages des Pellerhauses im vergangenen Oktober stellten die Altstadtfreunde die Frage, ob der durch den Teilwiederaufbau von Pellerhaus und -hof in den fünfziger Jahren geschaffene Zustand der Weisheit letzter Schluss sein könne. Altstadtfreunde-Chefin Inge Lauterbach betont allerdings, dass es nicht darum gehe, das gesamte Pellerhaus wieder aufzubauen: »Den Vorderbau wollen wir nicht in die Diskussion bringen. Uns geht es allein um den Pellerhof.«
Wenn man die seitlichen Hofgalerien bis einschließlich zweites Obergeschoss und die Fassade des Rückgebäudes inklusive Giebel wieder hochziehen würde, wäre das nach Meinung von Lauterbach und Enderle kein Eingriff in die Belange des Denkmalschutzes, denn das Vorderhaus bliebe davon unberührt. Sie widersprechen außerdem den Kritikern der Wiederaufbau-Pläne, die einwenden, man würde mit der Ergänzung des Hofes lediglich eine schöne Kulisse vor die umliegenden Zweckbauten blenden: »Das hat Martin Peller auch schon gemacht. Er hat vor ein unscheinbares mittelalterliches Haus eine Prunkfassade setzen lassen«, stellt Enderle klar.
Die Altstadtfreunde und Harald Pollmann möchten den beeindruckenden Anblick des Hofes, wie er sich nach der umfassenden Restaurierung durch die Stadt in den dreißiger Jahren darbot, wieder herstellen. Dass die Stadt sich das zurzeit finanziell nicht leisten kann, wissen sie. Doch obwohl sie von Kosten in Millionenhöhe ausgehen, sind sie zuversichtlich, das Vorhaben mit Hilfe der Bürger stemmen zu können. Aber erst einmal müssen sie eine Menge Überzeugungsarbeit bei Stadtverwaltung und Denkmalschützern leisten.


NZ vom 11.5.2006

Von Peter Viebig

Verwaltung arbeitet beim Pellerhof mit

Einstimmig beauftragte der Stadtrat gestern die Verwaltung, in Gesprächen mit den Altstadtfreunden die weiteren Schritte zur Rekonstruktion des Pellerhofes zu klären. Gleichzeitig soll die Bauverwaltung auch die technisch-fachlichen Grundlagen für diese Rekonstruktion erarbeiten.
Mit diesem Antrag hatte sich Oberbürgermeister Ulrich Maly über die Bedenken seines Baureferenten Wolfgang Baumann hinweggesetzt, der sich in seiner Stellungnahme noch äußerst reserviert zu den - auf den Steinmetz Harald Pollmann zurückgehenden - Plänen zum Wiederaufbau des Hofes gezeigt hatte. Auch in der gestrigen Sitzung bekannte Baumann, dass er sich mit diesem Schritt schwer tue und dabei Unbehagen verspüre. Der Wiederaufbau in Nürnberg sei noch nicht genügend aufgearbeitet, außerdem sei vieles von der künftigen Nutzung des Pellerhauses abhängig. »Eine Teilrekonstruktion ist mir da wesentlich lieber.«
Doch Baumann stand gestern mit seinen Bedenken ziemlich allein. Für die CSU bekannte Bürgermeister Klemens Gsell, es sei richtig, »überzeugende historische Monumente wieder aufleben zu lassen«. Auch Anja Prölß-Kammerer (SPD) meinte, der jetzige Zustand des Hofes sei »suboptimal«, daher sei es im Interesse der Bürgerschaft, die Rekonstruktion anzugehen. Allerdings dürften dabei der städtische Haushalt nicht belastet und künftige Nutzungen nicht beeinträchtigt werden. Auch Jürgen Wolff (Bündnis 90/Die Grünen) sprach von einer »erfreulichen Entwicklung«. Utz Ulrich (FDP) forderte sogar noch »mehr Begeisterung« bei den Stadträten, wenn es darum gehe, das Projekt mitzutragen.
Ulrich sah gleich auch noch einen weiteren Missstand in unmittelbarer Nähe des Pellerhofes, der ebenfalls behoben werden sollte: der Egidienplatz. »Der wäre einer der schönste Plätze Nürnbergs, wenn man das Geld dazu in die Hand nimmt«.
Geld in die Hand nehmen wird die Stadt beim Pellerhof allerdings nicht. Das machte auch Antragsteller Maly klar. Er stellte seinen Antrag unter die Überschrift: »Wenn das Geld da ist, soll die Stadt dem nicht im Wege stehen.« Vorausgesetzt, das notwendige Geld kommt zusammen (die Vorsitzende der Altstadtfreunde, Inge Lauterbach, sprach gestern von zwei bis drei Millionen Euro), dann soll laut Maly sichergestellt sein, »dass spätere Generationen möglichst viele Optionen haben«. Auf die eigene Erwähnung der Option Glasdach im Beschluss des Stadtrates verzichtete Maly allerdings. Für seine Entscheidung, die Bedenken zurückzustellen, machte der OB auch die inzwischen gewonnene Erkenntnis verantwortlich, dass es beim Wiederaufbau des Pellerhauses nicht die Absicht der damaligen Stadträte war, »eine bewusste Dokumentation der Zerstörung zu schaffen«.