Plärrerhochhaus
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Als das Plärrerhochhaus 1952/53 in Nürnberg am Plärrer gebaut wurde, war es mit 56 Metern das erste und damit auch höchste Hochhaus in Bayern.
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Überblick
Das von Architekt Wilhelm Schlegtendal entworfene Hochhaus der Städtischen Werke Nürnberg gilt als herausragendes Baudenkmal des Baustils der Neuen Sachlichkeit. Das Gebäude wurde als erstes Objekt dieser Stilrichtung unter Denkmalschutz gestellt.
Bei der Renovierung vor einigen Jahren nahm man bewusst Rücksicht auf das Ambiente der 1950er-Jahre. Die neue Pförtnerloge passt ins Umfeld.
Adresse
Am Plärrer 43
Literatur
- Christian Koch: Plärrer-Hochhaus. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999, ISBN 3-921590-69-8 - im Netz
Siehe auch
Weblinks
- Plärrerhochhaus - Wikipedia
- Plärrer (Nürnberg) - Wikipedia
Artikel in der NZ
Die NZ veröffentlichte im Rahmen der Serie „Architektur in Nürnberg“ folgenden Artikel zum Plärrerhochhaus.
- Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!
Zeitlose Eleganz
von André Fischer
- Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde am Plärrer das erste Hochhaus Bayerns unmittelbar an der Südwestecke der Altstadt außerhalb der Stadtmauern errichtet. Durch den Bau des Hochhauses erhielt der Plärrer eine Dominante. Das Gebäude wendet sich dem Plärrer zu und verhilft dem Platz zu einer neuen Großzügigkeit und Weite. Gleichzeitig wurde die kleinteilige Bebauung der Volksbadgebäude geschlossen.
- Das 16-geschossige Gebäude war mit einer Höhe von 56 Metern seinerzeit das höchste Hochhaus Bayerns. Entsprechend fiel die Resonanz in der Bevölkerung aus. Von großem Lob bis zu Größenwahn reichte die Palette der Meinungen aus der Bürgerschaft.
- Vom obersten, zurückversetzten Stockwerk, in dem sich ein repräsentativer Empfangsraum befindet, hat man nach drei Seiten durch voll verglaste Wände einen unvergesslichen Blick über die Altstadt. Unterstrichen wird die aufwärts strebende Dynamik des Hochhauses durch eine Verjüngung des Gebäudes um jeweils einen Zentimeter je Geschoss vom fünften Obergeschoss an. Das Gebäude wurde in Stahlbetonskelettweise ausgeführt. Die Hauptlasten tragen vier Stahlbetonstützen in der Eingangshalle. Besonderer Wert wurde auf das Farbkonzept des Gebäudes gelegt. Die Schwere des Baukörpers wurde durch die graurötliche Tönung des Skeletts und durch die Verwendung von hellen Travertin-Kunststeinplatten von blau über grün, gelb, rot und violett gemildert.
- Der an das Hochhaus anschließende, über 100 Meter lange, flach gedeckte, viergeschossige Trakt an der Fürther Straße nahm technische Räume, Werksküche und Speisesaal sowie Ausstellungsräume auf. Durch das Zurückversetzen des dritten Obergeschosses von der Straßenfront, später überbaut, wurde der Kontrast zwischen Hochhaus und langem Bau betont. Das Gebäude wirkt trotzdem klar und zeitlos, fast kristallin.
- Einzigartig ist die Atmosphäre in der Eingangshalle des Hochhauses. Vor einer zwei Geschosse hohen Glasbaufassade „schwebt“ eine gewundene Treppe mit filigranem Geländer über einem organisch geformten Pflanzbeet mit hohen immergrünen Pflanzen und einem Teich mit kleiner Fontäne. Die Decken sind blau gehalten, Fußboden und Treppenstufen mit schwarzem und rotem Linoleum belegt. Die dünnen Tragstützen der Halle sind mit weißen Glasfliesen umhüllt. Alles wirkt fröhlich, transparent und beschwingt. Bei einer Renovierung vor wenigen Jahren hat man nach umfangreichen Farbspuruntersuchungen die ursprüngliche Farbigkeit wieder herstellen können – zugunsten der einzigartigen Raumkomposition.
- Leider mussten wegen technischer Vorschriften schon vor etwa 20 Jahren die Paternosteraufzüge entfernt und gegen normale Aufzüge ausgetauscht werden. Als Referenz an unser heutiges Sicherheitsbedürfnis mussten im Eingangsbereich elektronische Schleusen eingebaut werden, die den Raum etwas stören. Als gelungen kann jedoch die Empfangstheke betrachtet werden, die sich mit ihren organischen Formen gut in das Ambiente der 50er Jahre einfügt.
- Nicht nur im Foyer, sondern auch in anderen Geschossen sind typische Ausstattungsmerkmale der 50er Jahre zu finden. Teilweise sind sie leider Renovierungs- und Umnutzungsmaßnahmen, aber auch aktuellen Bauvorschriften zum Opfer gefallen.
- Im dritten Obergeschoss führte ein etwa 100 Meter langer Verbindungsgang vom Hochhaus zum Speisesaal, im Volksmund „Beamtenrennbahn“ genannt. Vis-à-vis der Fensterfront waren große Grünpflanzen in einem schmalen Pflanzbeet vor einer verputzten, zartrötlich getönten Wand, die mit afrikanischen Tier- und Menschendarstellungen aus mosaikartig verlegten Solnhofer Steinen geschmückt war. Unter der Decke war ein dichter Teppich von dünnen Bambusstäben gespannt, der Fußboden hatte graue und rote Marmorstreifen. Fast wähnte man sich in südlichen Gefilden.
- Aus Brandschutzgründen musste die Bambusdecke entfernt werden. Aus Pflegegründen entfernte man die Grünpflanzen. Nur die Mosaike an den Wänden erinnern noch an diese lebendige Gestaltung.
