Schniegling

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In der Metallwarenfabrik "Kapsel" wurde Industriegeschichte geschrieben

Schniegling erstreckt sich von der Stadtgrenze Fürth (hier noch Alt-Doos) bis zur Ringbahnbrücke beim Westfriedhof. Hier schließt dann Neu-Wetzendorf an. Im Norden schließt Schniegling Wetzendorf und die Kriegsopfersiedlung ein. Im Norden begrenzt das Pegnitztal und Muggenhof Schniegling. Schniegling ist Statistischer Bezirk 71 mit ca. 3.400 Einwohnern.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte:

In einem Privileg von 1140 von König Konrad an das Kloster Weißenohe wird ein Pertholdus von Sniglingen erstmals urkundlich erwähnt. 1280 Gab es eine Urkunde für den Burggrafen, der eine Villa Sniglingen und das Gebiet dort erhält von König Rudolf. Der Name des heutigen Ortsteils geht auf einen freien Mann namens Sniglio zurück, der dort gelebt haben soll. Das Dorf gehörte zur Pfarrgemeinde Poppenreuth. Neben dem Dorf gab es über die Jahrhunderte verschiedene Herrensitze wie den Kernstein(1484), den Sitzinger (1554)(später Hörmannscher Bau), das Wahlerschlösschen (1731-33) und den Serzschen Herrensitz( 1724). Durch den Ort führte über die Dooser Brücke kommend aus Johannis der wichtige Fernhandelsweg nach Frankfurt.

Schniegling stand an der Stadtgrenze nach Fürth immer wieder im Mittelpunkt nachbarschaftlicher Auseinandersetzungen und dies nicht zuletzt in den Markgrafenkriegen und im 30-jährigen Krieg, die Schniegling arg zugesetzt haben. Einige große Bauernhöfe und die verschiedenen Mühlen an der Pegnitz bildeten den wirtschaftlichen Mittelpunkt über viele Jahrhunderte. Industriegeschichte schrieb vor allem aber „die Kapsel“ – eine Fabrik, die dem Serzschen Herrensitz angegliedert wurde und bis ins späte 20.Jhdt. Kapseln, Tuben und andere Metallprodukte herstellte.

Im Wahlerschlösschen war nach wechselnden Besitzern die städtische Armenpflege, später der Reichsarbeitsdienst und nach dem Krieg das Forstamt untergebracht. 1818 nach der Eingemeindung nach Bayern wurde Schniegling eigenständig und 1899 nach Nürnberg eingemeindet. Heute bestimmt die Brettergartenstraße das Ortsbild von Schniegling als Durchfahrtsstraße, obwohl der Ortskern an der Schnieglinger Straße liegt.

Bekannte Persönlichkeiten:

Wolfgang Kern (1503-1582) baute den Herrensitz an der Dooser Enge nach mehreren Zerstörungen wieder auf . Er war der erste Marktvorsteher von Nürnberg.

Karl-Friedrich Crämer(1818-1902): Kaufmann und engagierter Abgeordneter im Bayerischen Landtag- Später der erste Standesbeamte Nürnbergs - er vollzog die erste Ziviltrauung.

Karl-Friedrich Crämer

Johann Wolfgang von Wahler: Er erbte den nach ihm benannten Herrensitz und baute ihn aus.

Louis Vetter (1816-1866): Gründer der „Kapsel“ und Besitzer des Herrensitzes Serz.

Poldi Rebel: über 80-jähriger Urschnieglinger und Original, dessen Erzählungen von früher das Leben trefflich beschreiben.

Der Geschichtstreff Schniegling

Seit 2003 gibt es in Schniegling einen Geschichtstreff, der sich zur Aufgabe gesetzt hatte, zum 200-jährigen Bestehen der Schule in Schniegling 2006 ein Büchlein mit der Geschichte Schnieglings zu veröffentlichen. Dies ist gelungen! Es ging nicht ohne das außerordentliche Engagement eines Mannes: Ernst Kuttruf (1949 – 2009). Leider ist der Mentor und Organisator des Geschichtstreffs viel zu früh verstorben. Heute versuchen die Mitglieder des Geschichtstreffs, zusammen mit Geschichte für alle durch regelmäßige Führungen und Einzelveranstaltungen, das ausgegrabene Wissen über Schniegling weiter am Leben zu erhalten.

Anmerkungen:

Schniegling ist heute ein sehr lebendiger Stadtteil mit zum Teil noch dörflichen Strukturen nahe der grünen Lunge Pegnitztal und der Nahversorgungszone Knoblauchsland. Hier kann man stadtnah sehr angenehm wohnen, was auch von vielen jungen Familien geschätzt wird. Zudem gibt es mit dem Fisch (Stadtteilhaus) und den Angeboten der Kirchen vielfältig Möglichkeiten, sich zu engagieren und auch den Kindern etwas zu bieten. Leider ist die Brettergartenstraße als augenfällige Durchgangsstraße kein echter „Hingucker“. Umso mehr manche bauliche Highlights vergangener (Herrensitze)wie auch heutiger Zeit (Johannisheim, Kapsellofts, Niederweg).

Literatur

  • Schniegling, Wetzendorf und Alt-Doos- Geschichte- Geschichten und Leben im Westen Nürnbergs; Selbstverlag 2006

Stadtlexikon Nürnberg, Tümmels 2000

  • Robert Giersch: Das Sitzingersche Hammergut und das Krochmann-Serzsche Schloss zu Nürnberg-Schniegling. In: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft e.V., Nr. 1, 2005
  • Ute Wolf: Schniegling hat unterschiedliche Gesichter. „Hierher ziehen viele junge Familien“. In: Nürnberger Zeitung vom 31. August 2007 - NZ-Serie über Nürnberger Stadtteile

Siehe auch