Sixtus Beckmesser

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Sixtus Beckmesser (* um 1500 in Nürnberg; † vor 1539) war ein Meistersinger.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Sixtus Beckmesser war ein Meistersinger aus Nürnberg, einem der Zentren der Meistersinger-Zünfte. In Nürnberg hatten die Meistersinger u.a. in der Marthakirche [1] eine eigene Bühne.

Den Gesang lehrte man an einer Meistersingerschule der Sängerzunft. Über die Stufen des Schülers, Schulfreundes, Singers und Dichters konnte man nach Billigung eines Meisterliedes den Meistertitel erwerben. Bei der Prüfung trug der Singer sein Lied vor und wurde von der Gildenleitung bzw. einem „Merker“ (1) nach den Regeln der “Tabulatur” beurteilt. Zu Meistern konnten nur Dichter ernannt werden, die eine neue Melodie (Weise) (2) erfanden und völlig fehlerlos vortrugen.

Über Sixtus Beckmesser gibt es keine archivalischen Quellen, so dass man über seine Herkunft und seinen erlernten Beruf nichts weiß. Gegen einen Handwerkerberuf spricht der griechisch-lateinische Vorname, der bei Handwerkern unüblich war. Hans Sachs [2] zählte Beckmesser zu den zwölf alten Nürnberger Meistersingern des 16. Jahrhunderts und rühmt drei Meistertöne Beckmessers. Von Beckmesser stammt das «Neujahrsgedicht auf die Heilige Jungfrau».(3)

Die Regeln des Meistergesangs sollten als Regelpoetik Hilfe bieten und zu kompositorischer Tätigkeit anregen, wurden aber immer enger ausgelegt. Diese Tendenz wurde 1868 von Richard Wagner [3] in seiner Oper „Die Meistersinger von Nürnberg[4] karikiert - vor allem in der Person des strengen Stadtschreibers Beckmesser, dessen Name zum Synonym für Pedanterie wurde.

Zur Rezeption und zum historischen Hintergrund

Die Beckmesser-Gestalt in Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ hat mit dem historischen Beckmesser, den die Nürnberger Meistersinger zu den zwölf Alten Meistern zählten, nur den Beruf des Meistersingers gemeinsam. Richard Wagner hat die Figur des Beckmessers als Parodie auf den Wiener Kritiker Eduard Hanslick angelegt, der Wagner oft gescholten hatte und folgerichtig auch an Wagners „Meistersingern“ keinen Gefallen fand.

„Als Kritiker ist er (Eduard Hanslick) so einseitig für Brahms, so gehässig gegen Wagner und Bruckner aufgetreten, dass Wagner zunächst plante, den Beckmesser ‚Hans Lick’ zu nennen ...“. (4)

Der Beckmesser in Richard Wagners Meistersingern

Im mittelalterlichen Nürnberg hatte der reiche Goldschmiedemeister Veit Pogner seine einzige Tochter Eva demjenigen zur Ehe versprochen, der auf dem Johannisfest den Preis als bester Meistersinger gewinnen würde.

Sixtus Beckmesser, ein Stadtschreiber in Nürnberg, gehört der Zunft der Meistersinger an, in der er das Amt des „Merkers“ bekleidet, der im Meistergesang für die Beachtung der Kunstgesetze zuständig ist. Er wähnt sich als sicherer Sieger des Wettstreits, schon weil er annehmen darf, der einzige Teilnehmer zu sein. Bedenklich stimmt ihn nur die Regelung, dass Eva der Wahl zustimmen muss. Seine Versuche, Pogner zu einer Regeländerung zu bewegen, scheitern.

Die Bedenken Beckmessers verstärken sich noch, als Walter von Stolzing, ein junger Adliger aus Franken, in Nürnberg eintrifft und als Gast im Hause Pogner wohnt. Stolzing will den Wettstreit und damit Eva gewinnen. Doch zuvor muss er in die Sängerzunft aufgenommen werden.

Als „Merker“ hat Beckmesser ihn zu prüfen. Walter Stolzing trägt im Kreise der Meister sein Probelied vor: „am stillen Herd, zur Winterszeit…“ mit dem Schluss „Herr Walter von der Vogelweide, der ist mein Meister gewesen“. Dazu sagt Hans Sachs, Walter von der Vogelweide sei „ein guter Meister“ gewesen. Beckmesser erwidert jedoch aus dem Gemerk unwillig, Walter von der Vogelweide sei „doch lang schon tot, wer lehrte den wohl der Regeln Gebot“.

Trotz seiner offensichtlichen Parteilichkeit gelingt es Beckmesser, die anwesenden Meister - ausgenommen Hans Sachs - davon zu überzeugen, dass der Bewerber Stolzing nicht geeignet sei. Beckmesser beharrt auf der Einhaltung der Regeln, die er so eng und kleinlich wie möglich auslegt.

Beckmesser möchte einen guten Eindruck auf Eva machen und ihr sein Lied schon in der Nacht vor dem Fest vortragen. Sein Auftritt vor dem Hause Pogners führt zu einer Schlägerei.

Inzwischen hat Stolzing im Hause des Hans Sachs ein wahres Meisterlied verfasst. Der unmusikalische Beckmesser, der Sachs am nächsten Vormittag in Abwesenheit Stolzings besucht, findet in der leeren Werkstatt den Text des von Sachs aufgeschriebenen Preisliedes und nimmt ihn von Sachsens Tisch. Als Sachs zurückkommt, wirft Beckmesser dem Witwer Sachs vor, heimlich selbst um Eva werben zu wollen, obwohl er das stets bestritten habe. Sachs versichert, nicht als Werber auftreten zu wollen. Sachs überlässt Beckmesser das Lied, aber sagt nicht, dass Stolzing der Autor ist.

Auf dem Johannisfest findet Beckmesser sich nicht in den neuen Weisen Stolzings zurecht. Weil er sich in seinem Vortrag streng an die Regeln der Tabulatur zu halten versucht, „versingt“ er und scheitert kläglich beim Vortrag des Liedes. Er bezichtigt Hans Sachs, den verworrenen Text geschrieben zu haben. Wütend wirft er das Blatt zu Boden und verlässt unter dem Gelächter der Festgäste - seine Mandoline unter dem Arm - geschlagen das Podium. Sachs nennt daraufhin den Namen des wahren Autors und lässt Stolzing sein Lied richtig vortragen.(5)

Für den Part des „Beckmesser“ in der Wagner-Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ wurde sogar ein Sondermodell einer Harfe mit dem Namen „Beckmesser“ entwickelt. (6)

Zur Deutung

In neuerer Zeit hat vor allem Walter Jens versucht, die Figur des Beckmesser zu rehabilitieren, der ein notwendiges Gegengewicht zu Sachs und Stolzing verkörpere: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht“!

Diese Forderung ist vielfach aufgegriffen worden und hat auch in den meisten Regiearbeiten ihren Niederschlag gefunden. Trotzdem ist festzuhalten, dass Beckmesser zwar von Sachs ermächtigt wurde, das Lied zu singen, dass er aber als Meistersinger seiner Kunst selbst untreu wird, indem er sich als Autor des Liedes ausgibt. Auch sonst dürften sich bei genauer Betrachtung der Figur Beckmessers nur wenig sympathische Züge an ihm finden lassen.

Zur Herkunft und Bedeutung des Namens „Beckmesser“

Woher kommt der Name „Beckmesser“, und was bedeutet er? Der Nürnberger Mundartforscher Herbert Maas könnte auf den richtigen Weg führen: „Beck“ heißt „Bäcker“. Die einschlägigen Berufsschelten seien der Beckngzipfl, Beckngsutz, Beckngnawl, später: der Beggngzibfl, die Beggngsuuz und der Beggngnoowl (Beckennabel). Aber das Wort „Beckmesser“ nennt Herbert Maas nicht. Dagegen nennt er die Wörter „Dibferlasscheißer“ und „Wärdlasglaaber“ (= Wörtleinklauber) für „Pedant“. Die Redensart „kleine Brötchen backen“ erinnert aber daran, dass deren Größe und Gewicht nachgemessen wurde. Es liegt nahe zu vermuten, dass derjenige, dessen Aufgabe das Nachmessen der Brote und Brötchen war, „Beckmesser“ genannt wurde. (7)

Zur übertragenen Wortbedeutung und Wortentwicklung

Der Name „Sixtus Beckmesser“ wurde zum Eponym „Beckmesser“, d.h. einem Begriff, der eine Sache mit einer namengebenden Person (Namensgeber) verbindet, bzw. zu einem Synonym für Pedanterie. Die Wortbedeutung des Beckmesser als „kleinlicher, pedantischer Kritiker“, ein Regel-Richter oder Regel-Fetischist, entstand aus der Figur des Nürnberger Meistersingers und Schreibers Sixtus Beckmesser in Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ (1867). Als Synonyme für den Ausdruck „Beckmesser“ werden im Volksmund z.B. auch verwendet die Wörter Besserwisser, Pedant, Oberlehrer oder auch Korinthenkacker.

Aus der Bezeichnung Beckmesser entstanden die Begriffe Beckmesserei (20er Jahre) und das Verb beckmessern (Mitte 20. Jh.). Der Begriff der Beckmesserei gilt bis heute als Sinnbild kleinlicher und letztlich verständnisloser Regelgläubigkeit.

Bekannte Opersänger als „Beckmesser“

Literatur

  • Fritz Schleicher: Nachwuchs für die Meistersinger. Bundesweiter Wettbewerb für junge Talente. In: Nürnberg Heute, Zeitschrift für Bürger und Freunde der Stadt, Hrsg.: Stadt Nürnberg, Heft 46, Dezember 1989, S. 51-53 [Zweiter Nürnberger Meistersänger-Wettbewerb]
  • Bernd Leistner: Sixtus Beckmesser. Essays zur deutschen Literatur. Berlin, Weimar: Aufbau 1989, 262 S.
  • Johannes Rettelbach: Variation - Derivation - Imitation. Untersuchungen zu den Tönen der Sangspruchdichter und Meistersinger. Zugleich: Universität Würzburg, Diss. 1989. Tübingen: Niemeyer, 1993, VIII, 387 S., ISBN 3-484-36514-5 (Frühe Neuzeit; Band 14)
  • Die Handlung der „Meistersinger von Nürnberg“. DIE ZEIT, 28/1996 - im Netz
  • Beckmesser, Jude im Dorn. DIE ZEIT, 28/1996 - ZEIT im Netz
  • Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Erarbeitet im Zentralinstitut für Sprachwissenschaft Berlin unter der Leitung von Wolfgang Pfeifer. 3. Taschenbuchauflage. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1997, 1.665 S., ISBN 3-423-03358-4, S. 109

Siehe auch

Weblinks

  • Sixtus Beckmesser. In: Die Meistersinger von Nürnberg, Informationen zu den Personen. www.richard-wagner-web.de, WAGNER WEB, Online-Führer durch das Werk Richard Wagners - im Netz
  • Beckmesser. Die Seite für neue Musik und Musikkritik - im Netz
  • Beckmesser. In: Wiktionary, Das freie Wörterbuch - Wiktionary

Einzelnachweise und Anmerkungen

(1) Ein „Merker“ ist im Meistergesang ein für die Beachtung der Kunstgesetze zuständiger Meistersinger. [5] Man könnte den „Merker“ vergleichen mit den Preisrichtern, die es anfänglich beim Nürnberger Bardentreffen gab.

(2) Ton (Literatur) - Wikipedia

(3)

  • Theo Herrlein: Das Weihnachtslexikon. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag GmbH, 2005 - PDF-Datei
  • Beckmesser. In: Meyers Lexikon online - im Netz

(4) Hans Joachim Moser: Musiklexikon, 4., stark erw. Aufl., Hamburg: Sikorski 1955, Band l, S. 477

(5) Hansjörg Wagner: Von den Regeln der Kunst. In: Forum Sehen & Sagen vom 27. September 2007 - PDF-Datei

(6) Sondermodell einer Harfe mit dem Namen „Beckmesser“ - im Netz

(7) Herbert Maas: Wou di Hasn Hosn ..., 2. Auflage 1965, und 6. Auflage 1992.

Der Betrug, zu leichtes Brot oder solches aus schlechtem Mehl zu verkaufen, wurde vom jeweiligen Stadtrat mit hohen Strafen geahndet, aber auch mit dem „Bäckerschupfen“ oder „Wippen“, dem öffentlichen Eintauchen des in einem Käfig sitzenden Delinquenten in einen Fluss oder einen Marktbrunnen. An einer langen, starken Stange hing ein hölzerner Käfig. In denselben musste sich der verurteilte Bäcker setzen und wurde nun von den Knechten bis über den Kopf in das Wasser gesteckt und dann schnell wieder hervorgehoben. Allerdings kauften sich die betroffenen Bäcker meist durch hohe Geldstrafen frei, so dass diese peinliche und unangenehme Strafe nur selten ausgeführt wurde. Die Strafe wurde öffentlich bekanntgemacht. Die „Schupfe“ als Strafe für betrügerische Bäcker hatte ihre gesetzliche Grundlage im Augsburger Stadtrecht von 1276.

  • Eduard Osenbrüggen: Deutsche Rechtsalterthümer aus der Schweiz. Zürich: Meyer & Zeller, 1858, S. 99 f. - im Netz
  • Das Bäckerschupfen in Wien - im Netz