Wöhrder See

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Der Wöhrder See ist ein innerstädtischer Stausee in Nürnberg.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Es handelt sich um einen durch Wehre aufgestauten Abschnitt der Pegnitz östlich der Innenstadt. Seine Fläche beträgt rund 50 Hektar, bei einer Länge von etwa 2600 Metern und einer durchschnittlichen Tiefe von 1,90 Metern. Mit den Bauarbeiten in den Flussauen wurde 1968 begonnen. 1981 war der Wöhrder See in der heutigen Form angelegt.

Der See gliedert sich in den Unteren Wöhrder See im Westen – angrenzend an den Stadtteil Wöhrd und übergehend in die Wöhrder Wiese – und in den Oberen Wöhrder See im Osten, der sich zwischen den Stadtteilen Erlenstegen und Mögeldorf erstreckt. Das Südufer des Unteren Wöhrder Sees wird dominiert von der Norikus-Wohnanlage. Der Hochhauskomplex mit etwa 850 Wohnungen wurde 1969 bis 1972 nach Entwürfen von Harald Loebermann erbaut.

Der Wöhrder See, eingebettet in die Spazier- und Radwege des Pegnitzgrunds, stellt eines der wichtigsten Freizeitgebiete in der Stadt dar. Das Areal wird von Anglern, Tretbootfahrern, Spaziergängern und von Freizeitsportlern zum Laufen genutzt (siehe auch Laufstrecken in Nürnberg). Es bietet zahlreichen Wasservogelarten und Pflanzen Lebensraum und ist Landschaftsschutzgebiet.

Aktuell ist der See durch zunehmende Versandung, Verschlammung und Veralgung bedroht. Eine Vertiefung, wie vom Fischereiverein Nürnberg vorgeschlagen, wird diskutiert.

Literatur

  • Theresia Steudel: Der Wöhrder See, ein innerstädtisches Freizeit- und Erholungsgebiet. Zulassungsarbeit im Fach Volkskunde zum 1. Lehramtsexamen Grund-, Haupt- oder Realschulen. Nürnberg, 1980 (Betreuer Hartmut Heller)
  • Thomas Fichte: Wöhrder See. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999 - auch online
  • Reinhard Kalb: Nürnbergs Badewanne und Algenteppich. Der Wöhrder See: Hochwasserschutz und gelegentliches Auslaufmodell. Eine Spurensuche. In: Nürnberger Zeitung vom 20. August 2007
  • Ngoc Nguyen: Fischereiverein schlägt Alarm: Wöhrder See verkommt zur Kloake. In: Nürnberger Zeitung vom 11. Oktober 2007

Artikel in der NZ

  • Originaltext! Dieser Text stammt aus der Nürnberger Zeitung, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht editierbar. Das Anlegen weiterer Abschnitte ist aber durchaus erwünscht!

NZ vom 11.10.2007

Fischereiverein schlägt Alarm: Wöhrder See verkommt zur Kloake

Der Fischereiverein Nürnberg schlägt Alarm: Der Wöhrder See „verkommt“, wenn man seine Wasserqualität nicht verbessert. Die Maßnahmen dafür würden mindestens eine Million Euro kosten.
Die schlechte Wasserqualität des Wöhrder Sees brenne dem Fischereiverein bereits seit Jahren unter den Nägeln, sagte dessen Erster Vorsitzender Ulrich Weiß, der gleichzeitig Vizepräsident des Fischereiverbandes Mittelfranken ist. Seit 28 Jahren fische man dort. Doch es gebe inzwischen so viele Algen, dass die Fische vor allem im Hochsommer sogar deren Geschmack angenommen hätten. Weiß erklärte gestern dem Umweltausschuss, was seiner Ansicht nach mit dem Wöhrder See geschieht, wenn man ihm nicht zu Hilfe kommt: „Er verkommt, er wird zur Kloake!“
In die selbe Richtung weist der aktuelle Bericht des Wasserwirtschaftsamtes, der auf Anfrage der CSU-Stadtratsfraktion erstellt wurde. Diese wollte unter anderem wissen, ob die schlechte Qualität für Fische, Vögel oder Menschen gefährlich sei. Die gute Nachricht: Den Fischen scheint das trübe, nährstoffreiche und von Klärwerken mit Phosphat belastete Wasser offensichtlich wenig auszumachen.
Menschen dagegen sollten aufpassen. Besonders im Sommer, so der Bericht, bilden sich in den Faulschlammbereichen nahe der Ufer massenhaft Botulismus-Bakterien. Diese wirken als Nervengift und können bei Wirbeltieren zum Tod führen. Nach Einschätzung des Amtes sollte das generelle Badeverbot aber ausreichen, um eine Ansteckung zu verhindern.
Die Wasservögel allerdings nehmen das Gift beim Gründeln auf und sterben daran. Schuld daran ist der Faulschlamm: Im Kot und Gewässersediment überleben die Botulismus-Bakterien lange Zeit. Das Risiko steigt, je mehr Wasservögel auf engem Raum zusammen leben. Daher flehte Umweltbürgermeister Klemens Gsell fast, als er an die Einhaltung des Fütterverbots appellierte. Vermeintliche Tierfreunde verstreuten kiloweise Brot – und lockten damit Wasservögel in den Tod.
Das Wasserwirtschaftsamt fordert daher, Faulschlamm, Vogelkot und tote Tiere regelmäßig entfernen zu lassen. Zusätzlich schlägt der Fischereiverein vor, den Wöhrder See zu vertiefen, damit das Wasser besser fließen und sich reinigen kann. Abgesehen davon, dass der See „zu seicht ausgebaggert“ wurde, so Ulrich Weiß, verliert er durch Schwemmsand Jahr für Jahr an Tiefe.
Der Wöhrder See sollte den Bürgern als stadtnahes, nutzbares Gewässer dienen. Doch der Kontakt beschränke sich auf Vögelfüttern, bilanziert das Amt: „Die Sozialfunktion mit Kontakt Mensch-Wasser zu fördern, wird hier eindeutig nicht mehr erreicht.“ Die Probleme könne man mit der Umgestaltung der Randbereiche lösen. Die Verwaltung wurde beauftragt, sich dazu etwas einfallen zu lassen. Gsell ging nicht darauf ein, ob das alles eine Million Euro kosten darf.

Ngoc Nguyen



NZ vom 20.8.2007

Nürnbergs Badewanne und Algenteppich

Der Wöhrder See: Hochwasserschutz und gelegentliches Auslaufmodell. Eine Spurensuche
von Reinhard Kalb
Wüsste man es nicht besser (und vor allem: wäre da nicht dieses Wehr über der Wöhrder Wiese), man könnte glauben, der Wöhrder See wäre schon immer da gewesen. Aber was heißt da überhaupt See? Im Grunde handelt es sich bei diesem Gewässer um zwei gigantische Blähungen der Pegnitz, einmal wespentaillenartig unterbrochen durch eine Eisenbahnbrücke. Tief ist er auch nicht, mit durchschnittlich 1,90 Meter unterbietet er sogar den Plattensee in Ungarn (drei Meter seicht). Im Sommer, oder wenn es einmal länger nicht geregnet hat, schnattern die Enten besonders vergnügt, weil der Flussgrund sie am Bauch kitzelt. Und es soll Leute geben, die wie der Heiland übers Wasser wandeln und darin nicht einmal ein Wunder erblicken.
Sind wir gehässig? Aber nein. Die Talauen, die vorher dort waren und von deren Schönheit wir uns angesichts des oberen Flusslaufs noch einen Eindruck verschaffen können, haben wir bewusst nicht mehr mitbekommen. Die Pegnitz teilte sich in zwei Arme, überdies gab es noch kleinere Weiher und Tümpel wie den Pulversee. Üble Zeitgenossen sollen schon in den Sechzigern die Auen als private Müllkippe missbraucht haben. Und zugegeben: Es ging der Stadt ja nicht darum, ein Ausflugs-oder Naherholungsziel zu schaffen (das war schon vorhanden in Gestalt der Flussauen), sondern die Hochwassergefahr in der Innenstadt endgültig auszuschließen.
Die ältere damals noch am Leben befindliche Generation konnte sich noch lebhaft an das epochale Hochwasser von 1909 erinnern, das den Hauptmarkt zum Fischmarkt umdeklariert hatte. Nach den Kriegszerstörungen hatte man im Altstadtbereich zwischen Museums- und Fleischbrücke einen Fluttunnel eingerichtet. Noch besser aber wäre ein Rückhaltebecken für die Pegnitzflut. Erste Überlegungen dazu stammen noch aus der Zeit vor dem Krieg.
Am 28. Oktober 1959 beschloss der Stadtrat, im östlichen Pegnitztal einen See zu gestalten. 1965 war der See auf dem Papier des Flächennutzungsplans schon vorhanden, im Jahr darauf wurde das Wasserwirtschaftsamt mit einem Bauentwurf in drei Abschnitten schon konkreter. Im Dezember 1968 ging es richtig los. Und die Flussaue verwandelte sich in eine Mondlandschaft. Bäume fielen, Büsche verschwanden. Je nach Darstellung wurden zwischen siebenhundert- und neunhunderttausend Kubikmeter Erde bewegt und umgeschichtet. Alte Brücken wie die Wassertorbrücke mussten abgerissen, neue Bauwerke wie die Gustav-Heinemann-Brücke errichtet werden. Bereits im Oktober 1969 wurde der erste Bauabschnitt des Wöhrder Sees (der untere See vom Wehr bis zur Eisenbahnbrücke) geflutet.
Zudem überlegte man sich, auch noch eine neue Siedlung rund um den See zu errichten. Aus Beton natürlich. Der einzige verwirklichte Rest von diesen Überlegungen ist der Norikus (1968–72), sehr bald beliebt bei den Selbstmördern. Erst 1981 waren sämtliche Baumaßnahmen am Wöhrder See abgeschlossen.
Der Wöhrder See. Überließe der Mensch das Gewässer sich selbst, es würde sich still und leise verabschieden. Nach ein paar Jahren wäre der See zugewachsen von Algenkolonien. Und nach noch ein paar Jahren wäre er verlandet. Denn die fleißige Pegnitz schwemmt Unmassen an Sand an, die sich im Sandfang (dort, wo sich ehedem die Pegnitz geteilt hatte) stauen und alle zwei, drei Jahre abgebaggert werden. Das macht 30000 Kubikmeter Schlamm pro Putzaktion.
Mal nachrechnen: 1340000 Kubikmeter Wasser, dem stehen gegenüber 10000 Kubikmeter Schlamm pro Jahr: Dann wäre in 134 Jahren der See zugeschüttet. Genauer gesagt, wir hätten dann wieder eine Flussaue wie zuvor. Geologen könnten in Wöhrd Feldstudien betreiben; wo sonst genießen sie Sedimentation im Zeitraffer?
Schon im Juni 1975 lagen die Ruderboote auf dem Trockenen. Ein Defekt in der Steueranlage hatte das Wehr veranlasst, sich zu senken, sodass der See fast auslief. 1977 probten dann die Algen den Aufstand. Das Wasserwirtschaftsamt ließ eine Flotte von Rasenmäherbooten zu Wasser. 95 Lastwagenfuhren an Algen kamen damals zu Tage. 1987 wankte schon wieder das Wehr und setzte 200 Zentner Fische an die frische Luft.
Was haben wir noch? Eine Besserung des Stadtklimas durch die lauen Lüftchen vom weiten Wasser hatten sich die Stadtväter erhofft. Auf dem Hauptmarkt spüren wir nichts davon. Eine Fontäne spritzt Seewasser in die Lüfte, zwar nicht ganz so eindrucksvoll wie die Fontäne im Genfer See, aber im Hochsommer sind wir sehr dankbar über den Gischt.
Im Ruderboot kann man seine Runden drehen; doch im Falle eines Kenterns kann man nun wirklich schwer im Wöhrder See ertrinken. Es sei denn, man verwickelt sich in den Algen. Und so giftig wie der Silbersee ist die Wöhrder Badewanne Gott sei Dank auch nicht.
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