Wanderung im Tennenloher Forst

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Mitten in Mittelfranken eröffnet sich eine Steppenlandschaft wie in Asien.
©: Ute Fürböter/NZ
Das Gras im Vordergrund verschmähen selbst Schafe – nur die Wildpferde weiden es ab. Wie schön das braune Fell glänzt!
©: Ute Fürböter/NZ


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Eine Herde wilder Pferde auf sandiger Erde

Von Ute Fürböter

Für Dimitri, Fajacho, Santos und die vielen anderen soll uns kein Weg zu weit sein. Die Przewalski-Pferde genießen schließlich Seltenheitswert. Weltweit haben sie nur rund 2000 Artgenossen. Und eine Herde dieser wilden Pferde lebt ausgerechnet im Tennenloher Forst.


Mittelfrankens größtes Naturschutzgebiet misst rund 1000 Hektar. Auf einem eingezäunten Areal von 50 Hektar tummeln sich die berühmten Pferde. Zehn sind es gegenwärtig, allesamt Hengste. Hoffentlich haben wir Glück und sichten sie auch! Vorsorglich packen wir den Rucksack mit Essen voll. Auf dem schon 1886 vom Militär genutzten Gelände gibt es weit und breit kein Gasthaus. Die Anreise ist kurz. Schon stehen wir am ehemaligen Exerzierplatz in der Nähe des Röthelheimparks in Erlangen. Es sieht ziemlich öde aus ringsum. Trotzdem startet Diplom-Geografin Barbara Philipp am 19. September ihre geführte fünfstündige Wandertour (ab 14 Uhr) an diesem Ort. Warum? Früher gab es hier Dünen. Sie entstanden nach der Eiszeit. Panzer haben diese Relikte schon vor langem platt gewalzt. Zurück blieben die für den süddeutschen Raum einzigartigen Sandflächen. Hier leben insgesamt 1600 Tier- und Pflanzenarten, 300 davon sind vom Aussterben bedroht. Den stark gefährdeten Ziegenmelker, einen Vogel, wird man zwar nicht zu Gesicht bekommen, aber vielleicht die blauflügelige Ödlandschrecke? Obwohl - „Ödi“ soll ebenfalls ein Meister der Tarnung sein. Wir sind gespannt. Und gleich darauf jäh ernüchtert. Nichts da mit einer lustigen Wanderung quer durch Wald und Flur. Am Ökologischen Informationspavillon verkünden Schilder: Gefahr! Das Verlassen der überwiegend breiten und schnurgeraden – auf Dauer garantiert ermüdenden – Wege ist verboten. Hunde müssen an der Leine geführt werden. Die Liste der Verbote ist lang. Im Gegenzug sind Bänke rar. Wo soll der müde Wanderer ruhen? Ideal ist das fast durchweg flache Gelände für Jogger und Radler. Die können sich gern stundenlang austoben, wir ziehen die kürzeste Tour vor. Eine, die schnurstracks zum Gehege der Wildpferde führt. Den Tipp verdanken wir Gebietsbetreuerin Verena Fröhlich vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken. Es geht los in Tennenlohe, genauer gesagt am Waldparkplatz Kurt-Schumacher-Straße, Ecke Weinstraße (Nähe Walderlebniszentrum). Ein hölzerner Pferdekopf nebst Hinweis „Royal Rangers“ weist uns den Weg. Schon nach ein paar Schritten tauchen wir rechts in den Wald ein. An der ersten Gabelung halten wir uns erneut rechts. Wir folgen der asphaltierten Straße bis zum Quellstein. Das hohe, von Dieter Erhard geschaffene Kunstwerk wird von winzigen goldenen Skulpturen gekrönt und ist nicht zu übersehen. Dort halten wir uns links. Von nun an marschieren wir einfach nur geradeaus. Den selben Weg werden wir auch wieder heimgehen. Wer will, kann länger bleiben und vorher noch auf eigene Faust das Gehege der Pferde umrunden. Zunächst geht es aber weiter vorwärts. Vorbei an weiten offenen Sandflächen mit blühendem Heidekraut, Sandglöckchen und Sandthymian. Nur ausgesprochene Spezialisten aus der Pflanzen- und Tierwelt können sich trotz extremer Bedingungen auf diesen kargen Böden ansiedeln. Bei einer Lufttemperatur von 25 Grad heizt sich der Sand schnell bis auf 70 Grad auf, um sich ebenso rasch auf Werte um 5 Grad abzukühlen. Auf unserem Weg sehen wir immer wieder „Steckerleswald“. Nach einer halben Stunde sind wir schon so gut wie am Ziel. Wir haben die weithin sichtbaren Kugelfangwälle erreicht. Die Hügel wurden in den 80er Jahren aufgeschüttet – zum Schutz vor den Bränden, die durch die Übungen mit Leuchtspurmunition oft entstanden. Rechter Hand schlängelt sich ein von Bäumen beschatteter Weg auf die Höhe. Dort angelangt, kann man den Blick schweifen lassen. Bei günstigem Wetter sieht man sogar die Nürnberger Burg. Vor allem lassen sich von diesem Platz aus aber die Przewalski-Pferde orten. Und da sehen wir sie wirklich! Eine siebenköpfige Gruppe weidet direkt am Zaun. Also nichts wie runter! Aus nächster Nähe stellen wir fest, dass die letzten Wildpferde der Erde sehr ungewöhnlich aussehen – angefangen beim fehlendem Stirnschopf über den weißen Schwalbenbauch bis hin zum bürstenartigen Schwanzansatz. Einer Tafel am Zaun entnehmen wir, dass die Urahnen der Pferde während der letzten Eiszeit vor 12000 Jahren die Steppen von Spanien über Mitteleuropa bis Ostasien bevölkert haben, doch nach dem Beginn der gegenwärtigen Warmzeit zogen sie sich aus Europa zurück und lebten nur noch in Zentralasien. Dort wurden sie 1878 von einem russischen Major namens Nikolaj Michalowitsch Przewalski entdeckt, weshalb man sie Przewalski-Pferde nannte. 1970 waren sie in freier Wildbahn ausgestorben. Nur 13 Wildpferde überlebten in Zoos. „Unsere Pferde sind entweder im Nürnberger Tiergarten geboren worden oder im Münchener Tierpark Hellabrunn“, berichtet Verena Fröhlich. Die junge Biologin kennt jeden ihrer Schützlinge beim Namen. Sie rühmt ihre vierbeinigen Landschaftspfleger und erzählt, seit wann Urwildpferde in Tennenlohe leben, warum ausschließlich Hengste hier eine Heimat gefunden haben, wie tollpatschig ihre ersten Schritte in der Natur ausfallen und ob sie gefüttert werden müssen. All das und mehr erläutert die Gebietsbetreuerin gerne ganz ausführlich. Ihre nächste Führung findet am 6. September von 11 bis 13 Uhr statt. Der Termin klappt nicht? Macht überhaupt nichts. Am 11. Oktober bietet sich bei einer Herbstwanderung von 14 bis 16 Uhr die nächste Gelegenheit, um der Expertin Löcher in den Bauch zu fragen. Geführte Wanderung mit Diplomgeografin Barbara Philipp am 19. September, 14 Uhr, Tel.: 0911/43122210 oder www.franken-naturerlebnis.de Anfahrt: Den Waldparkplatz an der Kurt-Schumacher-Straße erreicht man über die B4, Abfahrt Tennenlohe. Treffpunkt: Kurt-Schumacher-Straße, Ecke Weinstraße, Pavillon Die fünfstündige Wanderung ist geeignet für Erwachsene und Familien mit Kindern ab 8 Jahren. Unkostenbeitrag 9 Euro. An wetterfeste Kleidung und Fernglas denken! Gebietsbetreuung: 09131/6146345, E-Mail: gebietsbetreuung.sand@lpv.mfr.de

Quelle: NZ vom 22.08.2009

Das Franken-Wiki freut sich über Anmerkungen zu dieser Wanderung, die auf der Diskussionsseite eingefügt werden können.


Wanderkarte

(Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

Der Weg zu den Wildpferden ist rot eingezeichnet, ihr Gehege hingegen blau umrandet.
©: Info-Grafik/NZ