Zwetschgenmännla

Aus Franken-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Zwetschgenmännla, „Närmbercher Zwedschgermennla“ oder Zwetschgenmännchen sind eine der Hauptsehenswürdigkeiten und Waren auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt. <player align="right" thumb= AudioButton.jpg>Zwedschgenmaennlae.mp3 | So klingt's auf Fränkisch</player>

„Zwetschgenmännla“ zaubern herzliche Wärme in die Gemüter und dürfen auf Advents- und Weihnachtsmärkten nicht fehlen.
©: Roland Fengler/NZ
So entsteht ein „Zwetschgenmännla“
©: Roland Fengler/NZ

Inhaltsverzeichnis

Bedeutung, Material und Name

Das Zwetschgenmännla ist eine aus Draht gefertigte Kinderpuppe, an die dürres Obst, Zwetschgen und Schnitze gesteckt werden. In Dresden werden die Zwetschgenmännla „Pflaumentoffel“ genannt. Im Gegensatz zum norddeutschen Wort „Pflaume“ wird aber in Süddeutschland das Wort „Zwetschge“ mit vielen Nebenformen verwendet, so bei Herbert Maas die „Zwedschgen“.

Dieses Zwetschgenmännla, eine Drahtfigur aus Dörrzwetschgen, nennt Herbert Maas in Nürnberger Mundart: der „Zwedschgermoo“ und die „Zwedschgermennla“.[1]

Der „Zwedschgermoo“ ist ein beliebtes Schimpfwort für einen dürren Menschen. Da die Schnitze (getrocknete Birnen) in Nürnberg auch „Hutzeln“ heißen, war der „Hudzldada“ früher ein stadtbekanntes Original.

Zur Geschichte

Das Zwetschgenmännla wird erstmals um 1790 im Wörterbuch von Georg Andreas Will erwähnt. Die ersten Abbildungen aus dem 19. Jahrhundert zeigen noch die Urform: das Zwetschgenmännla als auf Draht aufgezogene gedörrte Früchte mit einem spitzen Hut und einem kleinen, mit Buntpapier bespannten Bauchladen. Erst später kam die bunte Bekleidung hinzu. Abwandlungen sind der Schlotfeger und das Zwetschgenweibla.[2]

Literatur

  • Johann Greulein: Der Zwetschgermoh. In: Eugen Kusch (Hrsg.): Auf gut Nürnbergisch. Unsere schönsten Mundartgedichte. Federzeichnungen von Jules Stauber, Umschlag und Einband von Toni Burghart. Nürnberg: Verlag Nürnberger Presse, 1951, 174 S. (140 Gedichte von 43 verschiedenen Autoren mit biographischen Anmerkungen über die Verfasser, u.a. Johann Greulein, Konrad Grübel, Paul Rieß, Theodor Schmidt, Hermann Strebel); hier: S. 43
  • Herbert Maas: Das Willsche Idiotikon, eine historische Untersuchung von Nürnberger Mundartwörtern. Ein Beitrag zur Arbeit am Ostfränkischen Wörterbuch. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN) Band 49, 1959, S. 361-438 - MVGN
  • Roland Hanusch: Zwetschgermännla und Pflaumentoffel. Illustriert von Hansi Carl. Nürnberg: Carl, 1993, 56 S., ISBN 3-418-00363-X
  • Friedrich Ach, Johannes Denner: Nürnberger Zwetschgenmännla und Zwetschgenweibla. Geschichte, Geschichten, Erzählungen, Anekdoten, Texte, Gedichte, Sagen, Legenden, Märchen. Ein Christkindlesmarkt-Buch. Nürnberg: Verlag Irmgard Dennerlein, 10/ 2008, 120 S., ISBN 978-3-927784-18-5
  • [ Clemens Helldörfer, Redaktion «NürnbergPlus»]: Fränkisches Weihnachtsgedicht: Wie der kleine Zwetschgermoh alle Herzen verzaubert. In: Nürnberger Zeitung Nr. 298 vom 24. Dezember 2009, Nürnberg plus, S. + 1 - NZ

Siehe auch

Weblinks

  • Susanne und Klaus Schrödel: Nürnberger Zwetschgenmännla - im Netz

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Herbert Maas: Zwetschgng. In: Herbert Maas: Wou die Hasen Hoosn und die Hosen Huusn haaßn. 7., erg. Auflage. Nürnberg: Verlag Nürnberger Presse, 2001, 309 S., ISBN 3-931683-07-9
  2. Herbert Maas: Zwetschgenmännla. In: Michael Diefenbacher; Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg: W. Tümmels Verlag, 1999, 1.247 S., ISBN 3-921590-69-8 - im Netz