Horst Herold

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Horst Herold

Horst Herold (* 21. Oktober 1923 in Sonneberg, Thüringen) war von 1971 bis 1981 Präsident des Bundeskriminalamts.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Horst Herold wurde am 21. Oktober 1923 in Sonneberg geboren und wuchs in Pößneck auf. 1930 zog die Familie nach Nürnberg. Mit 18 Jahren meldete sich Horst Herold zum Kriegsdienst und kam an die Ostfront. 1942 wurde er verwundet und geriet in russische Kriegsgefangenschaft. 1945 kam er nach Nürnberg zurück und fing ein Jura-Studium an. 1951 promovierte Horst Herold im Bereich des Völkerrechts, das Thema seiner Dissertation lautete: „Der rechtsgeschäftliche Staatsakt im Völkerrecht“. Er reformierte das Bundeskriminalamt und war die führende Person im Kampf gegen die „Rote-Armee-Fraktion“ (RAF). Horst Herold gilt bis heute als der „beste Polizeibeamte Deutschlands“.

Karriere

1952 arbeitet Horst Herold als Gerichtsassessor bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, bis er 1953 Staatsanwalt wurde. Sein Vorgesetzter war der Oberstaatsanwalt Hans Sachs. Als Richter beobachtete er das Phänomen, dass unsympathische Angeklagte häufiger verurteilt werden als solche, die eine gewisse Ausstrahlung haben. Aus Überzeugung, als Richter Teil eines ungerechten Systems zu sein, wechselte er zur Polizei. Nach 12 Jahren im Dienst wurde Horst Herold 1964 Kriminaldirektor von Nürnberg. Bereits nach drei Jahren nahm er die Position des Nürnberger Polizeipräsidenten ein. Zwischen 1969 und 1971 war Herold Mitglied einer Reformkommission des Bundeskriminalamts (BKA).

Als mit der gewaltsamen Befreiung des inhaftierten Kaufhausbrandstifters Andreas Baader am 14. Mai 1970 in Berlin die RAF („Rote Armee Fraktion“) entstand, holte der Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher Horst Herold nach Wiesbaden. Am 1. September 1971 übernahm er dort die Leitung des Bundeskriminalamts.

1981 führte es aufgrund staatlicher Maßnahmen zur Terroristenbekämpfung zu Auseinandersetzungen zwischen Horst Herold und dem Innenminister Gerhart Baum. Dieser Konflikt führte schließlich dazu, dass der 57-jährige BKA Präsident von Heinrich Boge abgelöst und in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurde. Da die Gefahr bestand, dass Herold auch nach seiner Amtszeit Opfer eines RAF-Anschlages hätte werden können und die Polizei nicht in der Lage war, ihn in seinem Haus zu beschützen, musste Herold zusammen mit seiner Familie in ein Fertighaus auf dem Gelände einer Bundesgrenzschutz-Kaserne in Oberbayern ziehen. Dort lebt er noch heute.

BKA-Reform

Zwischen 1971 und 1981 unterwarf er das BKA einer Reform, die das BKA zum Aushängeschild der deutschen Polizei machen sollte. Er verfünffachte den Etat und erhöhte die Mitarbeiterzahl von 1.113 auf 3.536. Horst Herold zog die Kriminaltechnik und die kriminologische Forschung in Wiesbaden zusammen und schuf ein Institut mit Kybernetikern, Computerexperten, Chemikern, Physikern und Biologen. Er entwickelte viele neue Fahndungs- und Ermittlungsmethoden, unter anderem die Rasterfahndung. Zugleich erforschte er auch die Ursachen von Kriminalität. Herold setzte großen Wert auf die wissenschaftliche Untersuchung der Spuren am Tatort, um unzuverlässige Zeugenaussagen zu vermeiden. Er setzte sich auch für die elektronische Datenverarbeitung ein. 1972 richtete Horst Herold die Datenbank INPOL ein, in der bundesweit anfallende Angaben über Kriminelle, Verdächtige, potenzielle Straftäter, Kontaktpersonen, Zeugen, Informanten, Opfer und Vermisste gespeichert und abgerufen werden konnten. Er hat es auch geschafft, die Kriminalpolizei zu zentralisieren. Dies war schlussendlich der Grund für die Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem Innenminister Gerhart Baum. Man warf ihm vor, einen „gläsernen Menschen“ zu kreieren und eine neue Art von „Gestapo“ zu erschaffen.

Literatur

Bundeskriminalamt (Herausgeber): Festschrift für Horst Herold zum 75. Geburtstag – Das Bundeskriminalamt am Ausgang des 20. Jahrhunderts. Wiesbaden 1998.

Dorothea Hauser: Baader und Herold. Beschreibung eines Kampfes. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1998 / Rowohlt Verlag, Reinbek 2007, ISBN 3-499-62279-3.

Weblinks