Markgrafentheater
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Das Markgrafentheater in Erlangen wurde 1719 fertiggestellt und gilt als das älteste, bespielte Barocktheater Süddeutschlands. Zusammen mit dem Theater in der Garage gehört es zum Theater Erlangen.
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Zur Geschichte
- Stadtlexikon Erlangen Der folgende Text stammt aus dem von Christoph Friederich, Bertold von Haller und Andreas Jakob herausgegebenen Stadtlexikon des Stadtarchivs Erlangen, ist urheberrechtlich geschützt und deshalb nicht bearbeitbar. Für weitere Informationen zu diesem Begriff bitte einen eigenen Abschnitt anlegen. Anmerkungen können auf der Diskussionsseite eingefügt werden.
Geschichte/Architektur
Das unter Markgraf Georg Wilhelm 1715–19 am nördlichen Rand des Schlossgartens errichtete, äußerlich sehr unscheinbare und auch im Inneren bescheiden ausgestattete Opern- oder Komödienhaus bildet zusammen mit dem Redoutenhaus, von dessen Durchfahrt aus der Zugang erfolgt, und Marstall (Langes Haus) eine geschlossene, lang gestreckte Bautengruppe. Unter Markgräfin Wilhelmine wurde es 1743–44 von dem venezianischen Theaterarchitekten Giovanni Paolo Gaspari unter teilweiser Veränderung der Bausubstanz neu ausgestaltet und gilt heute als das älteste bespielte Barocktheater Süddeutschlands. Die drei durch Kolonnaden gestützten Ränge des Zuschauerraums verlaufen gegenüber der Bühne im Bogen; hier befindet sich die über drei Achsen und zwei Zonen der Ränge angelegte Fürstenloge. Vergoldete Hermen (Komödie und Tragödie) stützen den gestuften Baldachin, dessen Chinoiserie reinstes Rokoko zeigt. Die unten vorschwingenden Proszeniumslogen sind zwischen ionischen Kolossalpilastern mit Gebälk eingespannt. Infolge des sparsamen Einsatzes von plastischen Details – so besitzen nur die Brüstungen im ersten Rang hölzerne Baluster – beruhte die Wirkung des Raums von Anfang an vor allem auf der farbigen Fassung und der dekorativen Bemalung: Gaspari verzichtete fast vollständig auf das ornamentale Lieblingsmotiv der Zeit, die Rocaille, und machte dafür das in der Regencezeit der späten 1720er Jahre beliebte, mit Voluten und Blattwerk bereicherte Gitterwerk zum beherrschenden Zierat. Die Grundfarbe des Raums war weißgrau, die goldgelben Ornamente der Brüstungsfelder saßen auf kobaltblauem Grund; dazu kamen vergoldete Skulpturen, Pilaster, Baluster und Ornamente. Vermutlich noch im 18. Jahrhundert erfolgte eine Übermalung in Grün, Purpur, Weiß und Gold. 1818 ging das Theater, das damals etwa 300 Personen Platz bot, als Königliches Universitätsschauspielhaus in den Besitz der FAU über, die es 1838 an die Stadt verkaufte. Bei der Sanierung des maroden Innenraums des 1876–1933 unter Regie des gVE geführten nunmehrigen Stadttheaters in den Jahren 1891/92 wurden zahlreiche kleinere Veränderungen vorgenommen und die Decke durch den aus Erlangen gebürtigen Nürnberger Dekorationsmaler Gottfried Pfannenmüller mit großfigurigen Figuren der vier Musen bemalt. 1907 erhielt das seit 1903 elektrifizierte Gebäude zum Theaterplatz eine Jugendstilfassade vorgeblendet. Wegen akuter Einsturzgefahr erfolgte 1957–59 die Generalsanierung des seit 1945 offiziell Markgrafentheater genannten Gebäudes, wobei eine Umwandlung vom Logen- in ein Rangtheater stattfand. Die Substanz der Raumschale des Zuschauerraums (Logenbrüstungen, Stützen etc.) blieb in ihrer Substanz belassen, jedoch arbeitete man die ursprünglich hölzernen Stützen alle auf das kleinste vorhandene Maß ab. Die Farbgebung erfolgte nach Befund, so dass das Markgrafentheater heute in seinen Grundzügen und mit seiner modernen Interpretation der Fassung von 1743 einen Eindruck der ehemaligen Situation vermittelt. Der überwiegende Rest des Gebäudes wurde durch einen Stahlbetonbau ersetzt, die Zuschauerbereiche (Logen, Gänge, Garderobenhalle, Foyers etc.) im Stil der 1950er Jahre völlig erneuert, ebenso die Holzdecke des Zuschauerraums, deren Neugestaltung die barocke Felderaufteilung zu rekonstruieren versuchte. Verloren blieben die ursprünglich in den großen Deckenfeldern auf Leinwand aufgebrachten Ölgemälde. Im Anschluss an die letzte Sanierung des Innenraumes 1998/99, bei der die Bestuhlung von 616 auf 570 Plätze reduziert wurde, erfolgte 2000 eine Sicherung des Dachstuhls.
(Quelle: Stadtlexikon Erlangen, Autoren: Andreas Jakob, Volkmar Greiselmayer)
Adresse
Wasserturmstraße 16
91054 Erlangen
Tel. 09131 862511
Literatur
- Friedrich Schmidt, Ernst Deuerlein: Die höfischen Barockbauten zu Christian-Erlang. Erlangen: Palm & Enke, 1936, VIII, 61 S. (Beiträge zur fränkischen Kunstgeschichte; N. F. Band 7), S. 47–54
- Ensemble Theater Erlangen (Hg.): Das Markgrafentheater in Erlangen, Von Mauern und Mauerweilern, Festschrift zur Renovierung des barocken Zuschauerraums des Erlanger Markgrafentheaters. 17. Okt. 1999, Erlangen 1999
- Nürmberger, B.: Das Universitätsstallmeisterhaus Schiffstr. 2, in: EB 41 (1993), 185ff.;ders.: Der markgräfliche Baumeister Wenzel Perner, in: EB 46 (1998), 123–131
- Andreas Jakob, Volkmar Greiselmayer: Markgrafentheater. In: Christoph Friederich; Bertold Frhr. von Haller; Andreas Jakob (Hrsg.): Erlanger Stadtlexikon. Redaktion: Martina Bauernfeind. Nürnberg: W. Tümmels, 2002, 784 S., ISBN 3-921590-89-2, S. 479 - im Netz
Siehe auch
