Steigerwald
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Der Naturpark Steigerwald im Herzen Frankens ist das ökologisch wertvollste Laubwaldgebiet Bayerns. Und auch wenn die Pläne für die Ausweisung eines Nationalparks in der Region vorerst ad Acta gelegt scheinen, bietet der Steigerwald nach wie vor eines der idyllischsten Naherholungsgebiete in Süddeutschland – und lockt nicht nur als „Genussland zwischen Wein und Bier“.
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Geographie
Der Naturpark liegt zwischen den Städten Bamberg, Höchstadt, Würzburg und Schweinfurt und wird im Norden durch den Main, im Osten durch die Regnitz und im Süden durch die Aisch begrenzt. Die Fläche des Steigerwalds von 1280 km² erstreckt sich über alle drei fränkischen Regierungsbezirke und die Landkreise Bamberg, Erlangen-Höchstadt, Kitzingen, Neustadt an der Aisch, Haßberge und Schweinfurt.
Geologie und Klima
Flora und Fauna
Geschichte
Bewohner
Wirtschaft
Tourismus
Der Steigerwald ist v.a. für Wanderer und Radausflüge empfehlenswert, ebenso für den Reitsport. Die unterfränkischen Weinorte Prichsenstadt oder Volkach sind nicht weit entfernt.
Schloss Weißenstein in Pommersfelden liegt eher am Rand des Steigerwalds, ist jedoch einen Besuch wert. Öffnungszeiten im Sommer von 9:30 bis 17:00 Uhr.
Zu erwähnen wäre auch das Freizeitland Geiselwind, nahe der Autobahn A3. Öffnungszeiten von Mai-September meist täglich von 9:00 - 17:00 Uhr, April und Oktober nur am Wochenende.
Artikel in der Nürnberger Zeitung (vom 7.6.2008)
Im Urwald der Zukunft
Von Mathias Orgeldinger
Soll im nördlichen Steigerwald ein Nationalpark entstehen? Eine Frage, die Politiker und Bürger entzweit. Was ist das Besondere am Steigerwald? Die NZ hat sich umgesehen.
EBRACH — Mit dem Wattenmeer und den Buchenwäldern verfügt Deutschland über zwei Lebensräume von großer Bedeutung für die globale Artenvielfalt. „Das Herzstück des weltweiten Rotbuchenbestandes verantworten wir“, sagt Waldexperte Georg Sperber vom Bund Naturschutz in Bayern (BN). Nur im Nordsteigerwald gebe es auf engem Raum eine solche Vielzahl von Pflanzengesellschaften, in deren Mittelpunkt die Rotbuche stehe.
Die biologische Bedeutung des Nordsteigerwalds ist in Fachkreisen lange bekannt: Teile des derzeitigen „Naturpark Steigerwald“ stehen unter Landschaftsschutz, der Freistaat hat über 10000 Hektar Laubwälder als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) und als Europäisches Vogelschutzgebiet gemeldet. Doch all diese Titel nehmen den Wald nicht aus der Nutzung. Nur vier winzige Naturwaldreservate (NWR) mit einer Gesamtfläche von 210 Hektar sind bisher vor jeglichem Eingriff geschützt.
Im forstwirtschaftlichgepflegten„ Buchenhallenbestand“ werden die Bäume nach etwa 120 Jahren geerntet, obwohl sie über 300 Jahre alt werden können. Naturnahe Wälder zeichnen sich dagegen durch Bäume in allen Lebensphasen und einen hohen Anteil an stehendem und liegendem Totholz aus.
Im Naturwaldreservat (NRW) „Waldhaus“ bei Ebrach liegen pro Hektar etwa 150 Festmeter in verschiedenen Zersetzungsstadien. Die „Baumleichen“ bieten nicht nur zahlreichen Insekten und Pilzen Nahrung, sie verdoppeln auch die Wasserspeicherkapazität des Waldbodens.
Im nördlichen Steigerwald konnten bisher 1100 Pilze, davon allein etwa 250 Großpilzarten, nachgewiesen werden, die von absterbendem oder totem Holz leben. Zu den seltenen „Baumpilzen“ zählen der Ästige und der Dornige Stachelbart. Die Bestandsdichte des Zunderschwamms gilt als Maß für die Naturnähe eines Buchenwaldes.
Stellvertretend für über 400 Arten von holzliebenden Insekten wirbt der Eremit für die Qualität des Waldes. Die auf der „Roten Liste“ der gefährdeten Arten als „stark gefährdet“ ausgewiesene Spezies aus der Familie der Rosenkäfer konnte 2006 im NWR „Waldhaus“ erstmals in einem süddeutschen Buchenwald nachgewiesen werden. Sie bildet Populationen, die sich bis zu 100 Jahre in derselben Baumhöhle vermehren. Da die Käfer jedoch nur etwa 500 Meter weit fliegen, können sie nur in Gebieten überleben, in denen alte Mulmhöhlenbäume vorhanden sind.
Die einfache Gleichung „Unberührtheit gleich Artenvielfalt“ lässt sich auf alle Tiergruppen anwenden. In den Naturwaldreservaten des Nordsteigerwaldes leben bis zu 15 Fledermaus- und 53 Brutvogelarten. Die Dichte brütender Waldvögel ist etwa vier- bis fünfmal so hoch wie in den benachbarten Wirtschaftswäldern. Die Familie der Spechte ist mit sechs Arten vertreten. Die Brutpopulation der Hohltaube gilt als die größte in Mitteleuropa.
Vor etwa 5000 Jahren, im Atlantikum, auch Buchenwarmzeit genannt, wanderte die Rotbuche aus ihren eiszeitlichen Rückzugsräumen am Mittelmeer nach Zentraleuropa ein. Ohne menschlichen Eingriff bestünde Deutschland zu etwa zwei Dritteln aus Buchen-Eichen-Mischwäldern. Doch heute besetzt die Buche gerade einmal sieben, in Bayern sogar nur 4,5 Prozent ihres natürlichen Verbreitungsgebietes.
Das liegt gar nicht so sehr an den Rodungen, sondern am ökonomisch ausgerichteten Umbau des deutschen Waldes, der in Franken begann, im 18. Jahrhundert beschleunigt und später über das Vorbild des deutschen Forstwesens weltweit verbreitet wurde. Zu Ostern 1368 erfand der Nürnberger Ratsherr Peter Stromer die „Technik der künstlichen Waldbegründung durch Nadelholzsaaten“. In der Folge entstanden Fichten- und Kieferplantagen, mit all den Problemen, die Monokulturen mit sich bringen. Wer heute noch Buchen-Eichen-Primärwälder sehen will, muss in die Slowakei oder die Ukraine fahren. Sie wurden bereits als UNESCO-Weltnaturerbe zertifiziert. „In Deutschland gibt es dagegen keine Urwälder mehr – allenfalls Urwälder von morgen, zum Beispiel im Nordsteigerwald“, betont Georg Sperber.
Eine Reihe glücklicher Zufälle bewahrten hier eine zusammenhängende, vergleichsweise wenig zerschnittene Naturlandschaft. Die Zisterzienseräbte von Ebrach bewahrten ihren Wald vor Zersiedlung in der Hoffnung, dieses hochherrschaftliche Privileg irgendwann zu erhalten. Außerdem blieb die Region von Bergbau und Glasproduktion verschont. Die bergmännische Berufsbezeichnung stand also nicht Pate für den Steigerwald, sein Name leitet sich vielmehr vom „steilen Wald“ ab, der auf die Topographie der „Steigerwaldstufe“ anspielt. Ein weiterer Grund, warum es im Nordsteigerwald noch 350 Jahre alte Buchen gibt, ist eine Bewirtschaftungsform, bei der starke, alte Exemplare stehen blieben, um aus ihrem Holz Getreideschaufeln zu schneiden. Erst in den 1960er Jahren wurde der aus forstlicher Sicht unwirtschaftliche „Ebracher Buchenaltholzüberhang“ abgebaut. Dennoch blieb ein naturnaher Bestand von Bäumen unterschiedlichen Alters erhalten.
Nationalpark nur in Staatsforsten
Nicht zuletzt sorgte Georg Sperber, der bis 1998 das Forstamt Ebrach 26 Jahre lang leitete, für eine ökologische Ausrichtung der lokalen Waldwirtschaft. So ließ er kilometerlange Zäune bauen, um den Wildverbiss, das sogenannte „Waldsterben von unten“, zu stoppen. Sperber, der maßgeblich am Aufbau des Nationalparks Bayerischer Wald beteiligt war, ist einer der Initiatoren des geplanten Schutzprojektes. Dazu sollen ausschließlich Staatsforsten herangezogen werden: etwa 4600 Hektar um Ebrach und etwa 6000 Hektar zwischen dem Lauf der Rauen Ebrach und dem Maintal. Sperber: „Die Fläche hätte den höchsten Buchenanteil aller deutschen Nationalparks.“ Nationalparks in Deutschland sind Ländersache. Artikel 8 des Bayerischen Naturschutzgesetzes sieht eine Mindestgröße von 10000 Hektar vor. Will man den internationalen Schutzstandard erreichen, müssten innerhalb der nächsten 30 Jahre weitere 25 Prozent dazu kommen. Vorerst wären aber nur etwa 5000 Hektar betroffen. „Das sind etwa 30 Prozent des Forstbetriebs Ebrach“, erklärt Sperber.
Trotzdem zeigt die Forstverwaltung kein Interesse an einem Nationalpark. „Da geht es ganz simpel um den Verlust von Zuständigkeiten“, meint Sperber. Dazu komme die Forstreform, die den ökonomischen Druck auf die Wälder erhöht habe. Holz aus dem Steigerwald werde nach Österreich, China und in die USA exportiert. Ein Zweigbetrieb des größten Buchensägewerks der Welt stehe in Aschaffenburg. Skandinavische Großerntemaschinen, die Buchen von einem Stammdurchmesser von bis zu 70 Zentimeter „abknipsen“ können, werden bereits getestet. „Wir verhalten uns wie ein Entwicklungsland, das seine letzten Naturschätze verhökert“, schimpft Sperber.
Im November 2007 hat das Bundeskabinett im Rahmen einer nationalen Biodiversitätsstrategie beschlossen, zehn Prozent der öffentlichen Wälder bis 2020 unter Schutz zu stellen. Auf der UN-Artenschutzkonferenz in Bonn hat sich Deutschland vor kurzem für einen internationalen Schutz der Wälder stark gemacht. Doch im eigenen Land sieht die Bilanz düster aus.
Gerade einmal 41500 Hektar Buchenwald stehen unter Schutz. „Das entspricht etwa der Fläche, die jährlich überbaut wird“, erklärt der BN-und BUND-Vorsitzende Prof. Hubert Weiger. „Im Interesse unserer Glaubwürdigkeit müssen wir mehr für den Erhalt unserer Buchenwälder tun.“ Der nördliche Steigerwald biete sich an. „Wir reden hier über Flächen im Promillebereich.' Im Nationalpark würden mit 75000 Hektar knapp ein Prozent der bayerischen Staatsforsten unter Schutz gestellt, die ihrerseits nur 30 Prozent der Waldfläche ausmachten.
Doch der Nationalpark hat Gegner. Gewiss nicht die zwei CSU-Landräte Günther Denzler und Rudolf Handwerker, die die Nationalparkidee ins Leben riefen und dafür massiv unter Beschuss geraten sind. Eine Koalition aus Landwirten, Jägern, Sägewerksbesitzern und Brennholznutzern schürt die „Urwaldängste“ der Bevölkerung. Sie fürchten sich vor Borkenkäfern und Wildschweinhorden, beklagen angebliche Betretungsverbote, Beschränkungen der Landwirtschaft und Enteignungen. Doch der Borkenkäfer wird im fichtenfreien Nordsteigerwald keinen Schaden anrichten und die Jagd im Nationalpark wird im Rahmen eines vernünftigen WildlifeManagements eher verstärkt als vermindert. Außerdem rekrutiert sich der geplante Nationalpark ausschließlich aus staatlichen Waldflächen. Möglicherweise müssen ein paar Jäger auf ihre Privilegien verzichten und einige Bürger ein paar Kilometer weiter fahren, um Holz zu machen.
Die Holzversorgung der einheimischen Sägewerke könnte mit einer entsprechenden Verordnung gesichert werden. Ein Blick auf andere deutsche Nationalparks (z.B. NP Hainich in Thüringen) zeigt, dass die Regionen stets wirtschaftlich profitiert haben.

